„Fokus liegt auf dem Abarbeiten der Auftragsmenge“

Thomas Scheriau, Mitglied der Geschäftsführung der Elk Gruppe, im Gespräch über die Trends am Fertighausmarkt, Materialengpässe und Mitarbeiterempfehlungen als Rekrutierungskanal. 

Die Corona-Pandemie hat sich auch auf den Immobilienmarkt ausgewirkt. Das Thema Wohnen wurde wichtiger und die Möglichkeit, im Home Office zu arbeiten, hat den Trend zum Wohnen am Land verstärkt. Inwiefern macht sich das bei Ihrer Auftragslage bemerkbar?

Aktuell haben wir über 1450 Häuser im Auftragsbestand – so viel wie schon lange nicht. Die Frage ist nicht mehr, ob wir genug verkaufen, sondern unser Fokus liegt darauf, die Kapazitäten für die große Auftragsmenge bereit zu stellen.

Was sind die aktuellen Trends am Fertighausmarkt?

Das Up-do-date-Fertighaus ist ein knapp 130 Quadratmeter großes, zweigeschossiges Haus mit Walmdach, großzügigen Glasflächen und bezugsfertiger Ausbaustufe. Der Einsatz von umweltfreundlichen Baumaterialien, eine lange Nutzungsdauer und auch hohe Energieeffizienz spielen ebenfalls eine große Rolle. 

Zurzeit sind Materialengpässe ein großes Thema in der Bauwirtschaft. Inwiefern ist das bei Elk zu spüren?

Natürlich stellen uns die Lieferengpässe vor Herausforderungen, aber durch eine langfristige Planung, eine strategische Einkaufspolitik sowie ein intelligentes Rohstoffmanagement können wir unsere Häuser weiterhin fristgerecht ausliefern und unsere Preisgarantie von 18 Monaten langfristig halten.

Neben dem Baustoffmangel ist auch der Mangel an gut ausgebildeten Mitarbeitern eine Herausforderung für die Industrie. Wie geht es Ihnen bei Elk mit der Fachkräftesuche?

Wir suchen Mitarbeiter in allen Bereichen und möchten 2022 von einem Zwei-Schichtbetrieb auf einen Drei-Schichtbetrieb umstellen. Es ist momentan schwierig, geeignetes Personal zu finden, doch in den letzten Monaten hat sich vor allem die Mitarbeiterempfehlung als erfolgreicher Recruiting-Kanal präsentiert, welche wir auch intern monetär belohnen.

Was ist notwendig, damit in Zukunft wieder mehr Menschen eine Karriere in der Industrie einschlagen?

Es gilt, die Benefits einer Lehre in der Industrie stärker hervorzuheben: Jobsicherheit, breites Aufgabenspektrum, gute Karrierechancen und ein überdurchschnittliches Gehalt. Zusätzlich müssen weitere Anreize geschaffen werden, wie zum Beispiel interne Weiterbildungsmöglichkeiten, gemeinsame Ausflüge oder verschiedene Boni.

Um ausreichend Fachkräfte zu finden, braucht es gerade in ländlichen Gegenden wie dem Waldviertel Infrastrukturausbau. Wo sehen Sie hier den größten Handlungsbedarf?

Ein rascher und nachhaltiger Infrastrukturausbau ist besonders wichtig. Die öffentliche Mobilität, angefangen bei Bus und Bahn bis hin zur E-Ladestation, muss stärker gefördert werden. Hier sind Politik und Unternehmen gefordert, entsprechende Angebote zu formulieren.

Wenn Sie drei Dinge am Industriestandort ändern könnten, was würden Sie tun?

Es wäre vor allem wichtig, dass es eine direkte Bahnanbindung gibt, damit Straßen- und Schienenverkehr besser miteinander kombiniert werden können. Außerdem würde ich mir wünschen, dass keine öffentliche Straße durch unser Werksgelände führt und es eine von der Gemeinde oder vom Bezirk betriebene Gaststätte gibt, die unserem Unternehmen eine externe „Kantine“ ermöglicht.

Die ELK Gruppe produziert Einfamilienhäuser, Doppel- und Reihenhäusern sowie auch mehrgeschossige Wohnbauten und Hotelprojekte. Der Hauptsitz des Unternehmens liegt in Schrems im Waldviertel. An den insgesamt 50 Standorten in Europa beschäftigt Elk über 1200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der Umsatz belief sich im Geschäftsjahr 2020 auf rund 150 Millionen Euro. Im Jahr 2019 feierte ELK sein 60-jähriges Firmenbestehen. Begonnen hat das Unternehmen im Jahr 1959 mit dem Blockhaus-Import aus Finnland. Dieser wurde im Jahr 1989 eingestellt, ELK begann mit der Blockhausentwicklung und -produktion in Schrems. Bis heute hat das Unternehmen 26.000 Häuser gebaut. Thomas Scheriau ist seit 2017 Mitglied der Geschäftsführung.