„Wir haben aus der Not eine Tugend gemacht“

Steven Blaha, Co-Vorsitzender der Jungen Industrie NÖ/Bgld, über die Aktivitäten der IV-Nachwuchsorganisation in Zeiten der Pandemie und Niederösterreichs Aufholbedarf im Bereich Kinderbetreuung. 

Sie sind nun seit eineinhalb Jahren Co-Vorsitzender der Jungen Industrie NÖ/Bgld. Was waren Ihre Highlights beim Engagement in der JI?

Eines meiner persönliches Highlights war das Online-Gespräch mit AMS-Chef Johannes Kopf im Dezember 2020, das ich moderieren durfte und an dem über 100 JI-Mitglieder aus ganz Österreich teilgenommen haben. Ein weiteres großes Highlight war natürlich auch unsere Bundestagung, die wir im Oktober 2021 in Krems veranstaltet haben. An dem zweieinhalbtägigen Programm unter dem Motto „grenzenlos“ haben rund 150 Mitglieder aus ganz Österreich teilgenommen. Geboten wurde etwa ein World Café mit interessanten Gästen wie Prälat Maximilian Fürnsinn, Christian Timm, dem Leiter der Justizanstalt Stein oder einem Vertreter von Fridays For Future. Beeindruckend war auch die Besichtigung des AKW Zwentendorf und die Keynote von Science Buster Florian Freistetter.

Seit Beginn der Pandemie hat die Junge Industrie NÖ/Bgld ein neues Eventformat namens „Talk Around The World“ ins Leben gerufen. Worum geht dabei genau?

Bei dieser Eventreihe haben wir – nachdem Studienreisen ja nicht möglich waren und die meisten Events sowieso online abgehalten wurden – aus der Not eine Tugend gemacht und uns virtuell mit österreichischen Wirtschaftsdelegierten aus der ganzen Welt ausgetauscht. Die Gespräche mit den Expertinnen und Experten aus China, Indien, Kasachstan, Chile, Südafrika, Marokko, der USA, Russland und der Ukraine waren wirklich sehr lehrreich. Im Juni soll der fünfte „Talk Around The World“ erstmals physisch stattfinden, wenn die Wirtschaftsdelegierten aus Israel und Abu Dhabi im Zuge des Exporttages in Wien sind.

Was steht demnächst sonst noch am Programm bei der JI NÖ/Bgld?

Im April findet unsere Vorstandsklausur statt, bei der wir uns nach der Bundestagung und den vielen Aktivitäten zum Schwerpunkt „grenzenlos“ inhaltlich neu ausrichten möchten. Natürlich sind auch wieder Betriebsbesichtigungen und Kamingespräche geplant und hoffentlich bald wieder leichter durchführbar. Fix ist bereits eine Besichtigung des Drohnen-Herstellers und „Hidden Champions“ Schiebel in Wiener Neustadt. Wir denken auch schon wieder über eine Studienreise nach. Langweilig wird es jedenfalls nicht.

Die Junge Industrie äußert sich immer wieder zu Vereinbarkeit von Familie und Beruf, insbesondere zum Thema Kinderbetreuung. Warum ist das der JI so ein wichtiges Thema?

Unsere Mitglieder sind Großteils in der Altersgruppe, in der Familiengründung und Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Vordergrund steht. Außerdem sehen wir hier in Niederösterreich großen Aufholbedarf. Derzeit haben nur 25,9 Prozent der Unter-Dreijährigen eine Chance auf einen Betreuungsplatz. Und die Landeskindergärten nehmen Kinder erst ab 2,5 Jahren auf, obwohl die gesetzliche Karenz nach zwei Jahren endet. Aus unternehmerischer Sicht ist der Ausbau der Betreuungsplätze auch ein entscheidender Schritt zur Bewältigung des eklatanten Fachkräftemangels.

Welche konkreten Vorschläge hat die Junge Industrie NÖ/Bgld hier?

Die Gemeinden brauchen mehr finanzielle Unterstützung für die Errichtung und Ausweitung des Betreuungsangebots. Das ist bis zum Sommer Thema in den 15a-Verhandlungen zwischen Bund, Länder und Gemeinden. Da die Kindergärten aber nicht nur Betreuungs-, sondern auch Bildungseinrichtungen sind, braucht es auch mehr Investitionen in das pädagogische Personal sowie mehr Personal im Assistenzbereich. Letzteres könnte etwa auch durch Zivildiener erreicht werden – leider ist viel zu wenig bekannt, dass der Zivildienst auch in einem Kindergarten absolviert werden kann.

Welche Rolle spielen hier eigentlich Betriebskindergärten?

Im Moment sind die Auflagen für betriebliche Betreuungseinrichtungen und Betriebskindergärten sehr hoch, hier fordern wir Erleichterungen. Die betrieblichen Einrichtungen dürfen aber auch nur als Zusatz zum öffentlichen Angebot gesehen werden. Sie können jedoch die Attraktivität als Arbeitgeber steigen und damit dem Fachkräftemangel entgegenwirken. 

Steven Blaha (28) ist Mitglied der Geschäftsführung der Blaha Büromöbel GmbH mit Sitz in Korneuburg. Gemeinsam mit Christina Glocknitzer (Seal Maker GmbH, Bezirk Mattersburg) hat er seit September 2020 den Vorsitz der Jungen Industrie NÖ/Bgld inne.
 
Die Junge Industrie ist die Interessenvertretung und Netzwerkeinrichtung der Jungunternehmerinnen und -unternehmer und jungen Führungskräfte der Industrie. Die Mitglieder sind vorwiegend Nachwuchs-Führungskräfte aus der Industrie bzw. dem industrienahen Sektor im Alter von 18 bis 40 Jahren. Österreichweit zählt die Junge Industrie über 1.300 Mitglieder, in Niederösterreich und dem Burgenland rund 130. Weitere Informationen: www.jungeindustrie.at