Wer den Frieden will, muss den Krieg verstehen

Um die aktuelle Situation in der Ukraine besser einordnen zu können, veranstaltete die IV-NÖ am 25. März einen Online-Talk mit Professor Christian Stadler vom Institut für Rechtsphilosophie der Universität Wien. 

„Diese historischen und geopolitischen Hintergründe sollen diese aktuelle Katastrophe nicht kleinreden, sondern Ihnen helfen, die Ursachen dafür besser zu verstehen“, mit diesen Worten leitete der renommierte Geopolitik-Experte Christian Stadler seinen Online-Vortrag ein, zu dem die IV-NÖ auch die Mitglieder der IV-Wien und der IV-Salzburg geladen hatte.

Bei seinen Ausführungen holte Stadler historisch weit aus, indem er etwa erklärte, dass das Gebiet, das man heute als Russland kennt, im Mittelalter als die russische Ukraine, auch bekannt als „Kiewski Rus“, galt. Großes Augenmerk legte der Professor auf die weitläufigen geopolitischen Zusammenhänge von der Vergangenheit bis heute und ging auch auf die ökonomische, politische und kulturelle Dimension des russischen Angriffskrieges ein.

Aus wirtschaftlicher Sicht gehe es Russland etwa um die größte russische Pipeline, die durch den Donbass verläuft oder um die Schiefergasvorkommen in der Ukraine. Zudem sieht Russland in der Vereinnahmung der Ukraine eine Chance, wieder eine politische Großmacht zu werden. Das in der Ukraine stark umkämpfte Gebiet im Osten des Landes wird in russischen Lehrbüchern zudem als „Neurussland“ bezeichnet, worin sich unter anderem der kulturelle Anspruch Russlands manifestiert.

Im Kontrast dazu sieht sich die Ukraine allerdings als selbstständiger Staat. Die junge Generation der Ukraine hat keine Vorstellung mehr davon, wie es sein könnte, zur russischen Republik zu gehören und identifiziert sich eher mit westeuropäischen Werten, die aus Sicht des Kremls aber als Schwäche oder sogar als Dekadenz interpretiert werden.

Wie der Krieg weiterverlaufen werde, konnte auch Professor Stadler nicht beantworten. Gut verständlich legte er jedoch dar, dass Europa viel zu lange über die Abgründe in der Zusammenarbeit mit Russland hinweggesehen hatte. Und betonte zum Schluss einmal mehr: „Den Krieg zu verstehen ist wichtig, bedeutet aber nicht, den Krieg zu verzeihen.“