Kommentar: Schleichende Deindustrialisierung muss gestoppt werden

Optimismus ist für uns Industrielle, Unternehmer und Manager ein grundsätzliches Leitmotiv in unserem täglichen Handeln – auch in Krisenzeiten. Doch die Realität verlangt nach klaren Worten: Die industrielle Landschaft steckt in einer Rezession und es ist notwendig, die Dinge beim Namen zu nennen, statt bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag optimistisch zu bleiben.

Die Deindustrialisierung Österreichs ist nicht länger nur eine Befürchtung, sondern bittere Realität. Arbeitsplätze verlagern sich ins Ausland, Investitionen werden gestoppt. Es ist JETZT entschiedenes Handeln notwendig, um den Industriestandort Niederösterreich und Österreich zu stärken und im globalen Wettbewerb zu festigen!

Einige politische Maßnahmen sind besonders drängend, den Unternehmen läuft die Zeit davon. Wege zur Senkung der immer noch zu hohen Energiekosten haben dabei oberste Priorität, insbesondere in Niederösterreich, wo die energieintensiven Betriebe 50 Prozent des Produktionswerts ausmachen. Diese Betriebe gehören zu den tragenden Säulen der niederösterreichischen Wirtschaft und müssen gestärkt werden – gerade auch angesichts der geplanten staatlichen Subventionen zum Industriestrompreis in Deutschland. Das bedeutet einen massiven Standortnachteil für Österreich und Niederösterreich, der durch eine vergleichbare Entlastung ausgeglichen werden muss.

Gerade im heurigen Wahljahr 2024, mit bevorstehender EU-Wahl und Nationalratswahl, ist die Präsenz und der Beitrag eines jedes unserer Mitglieder von entscheidender Bedeutung. Je mehr sich beteiligen, desto größer wird der Druck, den wir gemeinsam aufbauen können.


Ein wichtiger Schwerpunkt muss auf der Senkung der Lohnnebenkosten liegen, insbesondere vor dem Hintergrund der KV-Abschlüsse im November, die die Stückkosten heuer erneut deutlich nach oben treiben werden. Ohne Gegenmaßnahme laufen viele Unternehmen Gefahr, Verluste zu erleiden und dadurch noch stärkerem Druck ausgesetzt zu sein. Mittlerweile haben sogar Unternehmen in unmittelbaren Nachbarstaaten niedrigere Produktionskosten als unsere heimischen Betriebe.

Neben einer Senkung der Steuern- und Abgabenquote sind der Abbau von Bürokratie und beschleunigte Genehmigungsverfahren für den Bau von Strom- und Wasserstoff-Leitungen unerlässlich. Die Politik muss ihre Bereitschaft zeigen, notwendige Verfahren zügig durchzuführen. Fantasien wie Arbeitsreduzierung bei vollem Lohnausgleich oder Steuererhöhungen sind ausgeschlossen. Auch die EU ist in die Pflicht zu nehmen: Vorschriften sind notwendig, aber mit Maß und Ziel. Aktuelles Negativbeispiel ist das geplante Lieferkettengesetz: Laut vorliegendem Entwurf droht es zum Bürokratiemonster zu werden, der in entscheidenden Punkten an der wirtschaftlichen Realität vorbeigeht.

Auch in unserer Gesellschaft bedarf es dringend eines Umdenkens: Die Notwendigkeit von hoher Leistungsbereitschaft und ihre Bedeutung für den allgemeinen Wohlstand müssen wieder die Basis für unsere Volkswirtschaft werden. Dieser Wandel sollte bereits in der Schule beginnen. Jugendliche müssen verstehen, dass der von unseren vorherigen Generationen erarbeitete Wohlstand nur durch ihren eigenen Einsatz und ihre motivierte Arbeit erhalten werden kann. Denn die wundersame Brotvermehrung gibt es nur in der Bibel.

Angesichts dieser Herausforderungen ist aktives Eingreifen erforderlich. Als IV NÖ werden wir uns für die Umsetzung dringend notwendiger Maßnahmen und Reformen einsetzen, um die Konkurrenzfähigkeit unserer Betriebe zu stärken und eine nachhaltige industrielle Entwicklung zu fördern. Ich rufe Sie, geschätzte Mitglieder, dazu auf, sich bitte aktiv und geschlossen an den Aktivitäten der IV zu beteiligen. Gerade im heurigen Wahljahr 2024, mit bevorstehender EU-Wahl und Nationalratswahl, ist die Präsenz und der Beitrag eines jedes unserer Mitglieder von entscheidender Bedeutung. Je mehr sich beteiligen, desto größer wird der Druck, den wir gemeinsam aufbauen können.