Arbeitszeitgesetz muss sich an moderne Arbeitswelt anpassen

Industriellenvereinigung (IV) NÖ unterstützt Vorschlag des NÖAABs zur Modernisierung des Arbeitszeitgesetzes (AZG). Die restriktiven Regelungen müssen an die Anforderungen aus der Praxis angepasst werden.

IV-NÖ-Präsident Thomas Salzer

Laut dem Niederösterreichischen Arbeitnehmerinnen- und Arbeitnehmerbund (NÖAAB) soll das Arbeitszeitgesetz (AZG) individuellere Lösungen auf Betriebsebene im Einvernehmen mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern künftig einfacher ermöglichen. Dieser Vorschlag bekräftigt eine langjährige Forderung der Industriellenvereinigung nach einer Reform des derzeit starren AZGs.

Zwei von drei Beschäftigten sind für flexiblere Regelungen

Bereits im Herbst des Vorjahres hat eine für Niederösterreich repräsentative Studie des Hajek-Instituts im Auftrag der IV NÖ und der Sparte Industrie der Wirtschaftskammer NÖ gezeigt, dass flexible Arbeitszeitmodelle von den Beschäftigten durchaus positiv gesehen werden: Zwei von drei Befragten gaben an, in Spitzenzeiten deutlich länger arbeiten zu wollen, wenn sie sich danach über einen längeren Zeitraum Zeitausgleich nehmen könnten. 

Nachteile im internationalen Wettbewerb

„Die derzeitigen Arbeitszeitregelungen entsprechen vielfach nicht den Rahmenbedingungen einer modernen Arbeitswelt“, betont IV NÖ-Präsident Thomas Salzer. Er sieht den Änderungs- und Modernisierungsbedarf gleich in mehreren Bereichen: „Wir fordern eine Anpassung der österreichischen Regelungen auf die Möglichkeiten, die die EU-Arbeitszeitrichtlinie bietet“, sagt Salzer und verweist dabei etwa auf Beispiele wie Schweden, Großbritannien oder die Niederlande, wo es keine Höchstgrenzen, sondern lediglich Mindestruhezeiten von elf beziehungsweise zwölf Stunden pro Tag gibt. Arbeitszeitregelungen, die unmittelbar auf Betriebsebene erfolgen, könnten passgenaue Lösungen je nach Auftragslage ermöglichen und somit die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe stärken. „Derzeit sind wir im Vergleich zu ausländischen Mitbewerbern klar im Nachteil“, so Salzer. Zudem plädiert der IV NÖ-Präsident für eine weitere Entbürokratisierung der Lohnverrechnung und eine Entkriminalisierung der Arbeitgeber sowie praxisgerechtere Kurzarbeitszeitregelungen, die auf Betriebsebene umgesetzt werden können. „Insbesondere fordern wir, dass entsprechend dem Regierungsprogramm die erweiterte Kurzarbeit in das Dauerrecht übergeführt wird. Dies würde den Betrieben helfen, im Krisenfall rascher handeln zu können“, ergänzt Salzer.

 

„Wir hören seit langem von den Betrieben, dass die starren Arbeitszeitregelungen zu Nachteilen bei der internationalen Auftragsvergabe führen. Es ist daher höchste Zeit, dieses Gesetz zu reformieren, um die Arbeitsplätze langfristig absichern zu können“, bekräftigt auch IV NÖ-Geschäftsführerin Mag. Michaela Roither.

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Kontakt

Gerti Wallner, MA

Öffentlichkeitsarbeit, GF Junge Industrie NÖ/Burgenland, Industriellenvereinigung Niederösterreich

T +43 1 71135 2445
gerti.wallner@iv.at


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