Industriebetriebe investieren wieder mehr in NÖ

Im Vergleich zu 2016 wird das Investitionsklima deutlich positiver gesehen. Größte Hemmnisse für Investitionen: Personal- und Lohnkosten, Finden von qualifizierten Fachkräften sowie hohe Steuern und Abgaben.

Das Investitionsklima hat sich in Niederösterreich deutlich verbessert – zu diesem Ergebnis kommt eine gemeinsame Umfrage der Sparte Industrie der Wirtschaftskammer NÖ und der Industriellenvereinigung NÖ (IV-NÖ). Demnach beurteilt mehr als die Hälfte (62,79 %) der befragten Industriebetriebe das Investitionsklima besser oder viel besser als in den vergangenen Jahren. Zudem sind die Investitionstätigkeiten in den vergangenen zwölf Monaten bei mehr als jedem zweiten Unternehmen (54,76 %) gestiegen, gesunken sind sie hingegen nur bei 7,14 Prozent der befragten Betriebe. Auch die Prognosen sind durchaus positiv: Für die nächsten zwölf Monate gehen vier von zehn Unternehmen (39,53 %) von einer Steigerung der Investitionen aus, nur 18,6 Prozent rechnen mit einem Rückgang.

Mehr Erweiterungsinvestitionen statt Ersatzinvestitionen

Auffällig ist auch eine deutliche Verschiebung bei den Investitionsmotiven: In den nächsten zwölf Monaten planen 94,12 Prozent aller Unternehmen, die investieren wollen, Erweiterungsinvestitionen. 2016 zählten noch Ersatzinvestitionen, etwa aufgrund von veralteten Maschinen und Anlagen, zur häufigsten Investitionsart. Abgefragt wurden auch jene Faktoren, die die Betriebe bei ihren Investitionen hemmen: An erster Stelle lagen dabei die Personal- und Lohnnebenkosten, gefolgt vom Finden qualifizierter Mitarbeiter und zu hohen Steuern und Abgaben.

Lehre weiter stärken – Aus für kalte Progression gefordert

„Investitionen sind Triebfedern für den gesamten Wirtschaftsstandort. Sie geben den investierenden Unternehmen zusätzlichen Schwung, befruchten aber auch andere Betriebe im Umfeld des investierenden Unternehmens“, betont Sonja Zwazl, die Präsidentin der Wirtschaftskammer Niederösterreich (WKNÖ). Zur Bekämpfung des Fachkräftemangels drängt Zwazl unter anderem auf ein Pflichtfach Berufsorientierung an den Schulen und eine noch zielgerichtetere Ausrichtung der Schulen nach den Bedürfnissen der Wirtschaft. Maturantinnen und Maturanten will die WKNÖ verstärkt für eine Lehre als Alternative zu einem Hochschul-Studium gewinnen. Zwazl: „Wir müssen die Lehre in unserer Gesellschaft noch weiter verstärkt als Top-Ausbildung mit Top-Chancen verankern.“ Erste Erfolge gibt es bereits: Zuletzt ist die Zahl der Lehranfänger in den NÖ Betrieben um 5,7 Prozent gestiegen. Zugleich drängt Zwazl auf ein Aus für die so genannte kalte Progression. “Dass unsere Unternehmen immer höhere Löhne zahlen, den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern davon aber nur ein Teil bleibt, weil der Staat über immer höhere Steuerklassen immer kräftiger mitschneidet, muss ein Ende haben.“

Höchste Zeit für Senkung der Lohnnebenkosten und Körperschaftssteuer

„Dass die Personal- und Lohnkosten als größtes Hemmnis für Investitionen gelten, ist besonders alarmierend“, sagt IV-NÖ-Präsident Thomas Salzer zu den Umfrageergebnissen. „Die Unternehmen der Metallindustrie haben schließlich erst vor kurzem sehr hohen Lohnabschlüssen zugestimmt. Jetzt muss die Politik dafür sorgen, dass diese Erhöhungen auch bei den Menschen ankommen, indem wieder mehr netto vom brutto übrigbleibt“, so Salzer. Zudem sei aus Sicht der Industrie eine Halbierung der Körperschaftssteuer (KÖSt) auf nicht entnommene Gewinne dringend notwendig, denn: „Dadurch bleibt den Unternehmen Geld für Investitionen, und es wird ein Anreiz geschaffen, die Gewinne auch tatsächlich zu reinvestieren und nicht auszuschütten. Wichtig ist dabei, dass es keine Einschränkung auf bestimmte Investitionen geben darf. Die Unternehmen wissen selbst am besten, welche Investitionen für ihren Betrieb sinnvoll sind.“ Die KÖSt sei zudem ein relevanter Standortfaktor. Der EU-Schnitt bei der KÖSt beträgt 21,9 Prozent, Österreich liegt mit 25 Prozent auf Platz zehn mit dem höchsten KÖSt-Satz. 

Wittmann-Battenfeld: Großinvestitionen als Bekenntnis zum Standort NÖ

„Wir investieren, um unsere Produktionsanlagen und Büros zu erweitern und zu modernisieren, und damit im internationalen Wettbewerb vorne mit dabei sein zu können“, erklärte Georg Tinschert, Geschäftsführer der Wittmann-Battenfeld GmbH, bei der die Umfrageergebnisse präsentiert wurden. In den vergangenen Jahren hat der Maschinenehrsteller massiv in den Standort in Kottingbrunn investiert – etwa in die Modernisierung der mechanischen Fertigung, in den Ausbau der Montagehallen und Einführung der Taktmontage sowie in die Erweiterung des Entwicklungstechnikums. In Summe wurde die Produktion um eine Fläche von 2.200 Quadratmeter erweitert, die Büros um circa 1000 Quadratmeter. „Insgesamt haben wir in den letzten beiden Jahren zwölf Millionen Euro in unseren Standort in Kottingbrunn investiert. Das ist für uns auch ein klares Bekenntnis zum Wirtschaftsstandort Niederösterreich“, so Tinschert.

 

Zur Umfrage
An der gemeinsamen Umfrage von Industriellenvereinigung NÖ und Wirtschaftskammer NÖ haben 43 Unternehmen mit insgesamt 14.706 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern teilgenommen. Erhebungszeitraum der Online-Umfrage: September bis Oktober 2018.

Kontakt

Gerti Wallner, MA

Öffentlichkeitsarbeit, GF Junge Industrie NÖ/Burgenland, Industriellenvereinigung Niederösterreich

T +43 1 71135 2445
gerti.wallner@iv.at


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