Niederösterreichs Papierindustrie stellt sich neuen Herausforderungen

Die sieben heimischen Betriebe der Papierindustrie, die 1.917 Mitarbeiter und davon 59 Lehrlinge in Ausbildung beschäftigen, sehen sich mit einem hart umkämpften Markt konfrontiert. Die Entwicklung bis zum dritten Quartal sei zwar stabil gewesen und spiegle den internationalen Trend wider, teilt Thomas Salzer, Spartenobmann der Industrie und Fachvertretungsvorsitzender der Papierindustrie in der NÖ Wirtschaftskammer sowie Geschäftsführer der Firma Salzer Papier GmbH dem NÖ Wirtschaftspressedienst mit.

„In den Sorten fällt die Entwicklung jedoch recht unterschiedlich aus“, so Thomas Salzer. Während die grafischen Sorten, Papier für Zeitungen, Magazine, Bücher, Briefe, Kataloge, Broschüren, Werbung und Plakate, weiter zurückgehen, steige der Umsatz mit Hygieneprodukten und Verpackungen. Erfreulich sei auch der deutliche Aufschwung bei Zellstoff, dem Vorprodukt für die Papierfabriken. Als weniger erfreulich nennt Salzer, dass der durchschnittliche Papierpreis im Lauf des Jahres ein wenig zurückgegangen sei. Dennoch erwarte die Branche nach Jahresabschluss gute Ergebnisse, die die Unternehmen allerdings nur durch striktes Kostenmanagement erzielen können.

Papierindustrie setzt auf Kreislaufwirtschaft
Natürlich werde das Geschäft auch 2017 hart bleiben, meint der Spartenobmann und Präsident der Industriellenvereinigung NÖ. Dafür würden der Wettbewerb und ein schwacher Markt sorgen. Langfristig aber sieht sich die Branche gut aufgestellt, weil sie Treiber zweier Mega-Trends sei. Die Papierindustrie nütze die Kreislaufwirtschaft, in der intensiv recycelt werden kann, und auch die Bio-Ökonomie, die auf nachwachsende Rohstoffe baut.

Nachteilig hingegen würde sich die kostenintensive Versorgung mit Holz und Energie entwickeln. „Über das noch gültige Ökostrom-Gesetz sind beide Themen auf eine nicht hilfreiche Weise miteinander verbunden“, so  Salzer. „Durch die Förderung der Verbrennung steigt die Holz-Nachfrage, ohne dass die Erntemenge spürbar erhöht wird. In der Folge wird der Rohstoff auch in den relevanten Segmenten Durchforstungsholz und Säge-Nebenprodukte teurer. Darüber hinaus kann oft nur über weiter entfernte Import-Distanzen eingekauft werden.“

Drohender Engpass bei Altpapier
Auch was die Energie betrifft, ortet Salzer im internationalen Vergleich ungünstige Rahmen­bedingungen. Das Ökostrom-Gesetz bewirke nämlich nicht nur eine Fehlallokation von Holz, es belaste alle Stromkunden zusätzlich finanziell. Obwohl ihr Bezug aus ungeförderter Ökostrom-Erzeugung sehr hoch ist, kaufen die Papierfabriken Strom auch vom Netz und müssen deshalb erheblich in die Fördertöpfe mit einzahlen. Künftig könnte auch Altpapier in einen Engpass geraten. Zwar seien die Sammelquoten in Österreich und in den Nachbarländern hoch, doch bei sinkendem Papierverbrauch der Konsumenten und steigender Nachfrage durch die Fabriken mache sich die Branche Sorgen um die Preisentwicklung und um die Qualität ihres wichtigen Sekundärrohstoffs.

Die Industrie hat laut  Salzer konkrete Vorstellungen, wie die Problemfelder bearbeitet werden sollten. So plädieren die Papier-Unternehmen für eine grundlegende Neugestaltung des Ökostrom-Regimes. Da soll die Effizienz viel mehr berücksichtigt werden - sowohl technisch, als auch hinsichtlich der Kosten. In der Holzversorgung arbeitet die Branche eng mit den Partnern der Wertschöpfungskette Forst-Holz-Papier zusammen, damit die Erntemengen endlich von derzeit rund 17 Millionen auf mehr als 22 Millionen Festmeter pro Jahr angehoben werden.

Rezyklier-Quote von 75 Prozent
„Die Holzvorräte steigen seit Jahrzehnten und sind reichlich vorhanden“, so Salzer. „Beim Altpapier soll der Gesetzgeber Rahmenbedingungen schaffen, so dass wir weiterhin wachsende Mengen in feiner Sortierung und ohne Verschmutzung sammeln können. Die technische Grenze der Sammelquote liegt bei ungefähr 80 Prozent, in Österreich werden mittlerweile 75 Prozent recycelt und zu neuen Produkten verarbeitet.“

Ein weiteres Zukunftsthema der österreichischen Industrie ist die Ausbildung der neuen und der schon beschäftigten Mitarbeiter. Einerseits sollen die öffentlichen Schulen zielgerichtet vorbereiten, andererseits wird sich die Papierindustrie auch in Zukunft im Ausbildungszentrum Papiermacherschule Steyrermühl selber engagieren. Nicht zuletzt kommt noch die Forschung, die im Zusammenspiel von privater und öffentlicher Finanzierung innovative Prozesse und Produkte entwickelt.

(dsh / NÖ Wirtschaftspressedienst)

www.austropapier.at 
www.salzer.at 
www.papiermacherschule.at 

 

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