„Steigflug mit Schlechtwetterfront“

Interview aus den iv-positionen / AUA-CEO Kay Kratky über Investitionen in Personalstand und Flugzeuge, die Ticketsteuer sowie das Urteil gegen die dritte Piste.

Hat als ehemaliger Pilot das Geschäft „von der Pieke auf gelernt“: AUA-CEO Kay Kratky.

Sie sind seit über eineinhalb Jahren CEO der AUA. Wie ist Ihr Wechsel nach Österreich bislang verlaufen?
Kratky: Es war und ist eine spannende und abwechslungsreiche Zeit. Das Umfeld und die Airline sind toll, und ich habe es außerdem auch nicht mehr weit nach Bad Hofgastein, wo ich schon lange einen Zweitwohnsitz habe.

Ihre Karriere begannen Sie als Pilot und später als Kapitän bei der Lufthansa. Inwiefern können Sie von diesen Erfahrungen als Manager profitieren?
Schon während meiner Zeit als Pilot habe ich gemeinsam mit meiner Frau ein Unternehmen hochgezogen – unternehmerisches Denken war also immer schon da. Bei Gesprächen mit Mitarbeitern kann ich von meinen Erfahrungen profitieren und es hilft natürlich, wenn man etwas von der Pieke auf gelernt hat.

Im Jahr 2016 konnte die AUA ihr EBIT von 54 auf 65 Millionen Euro steigern – für heuer rechnen Sie jedoch mit einem schlechteren Ergebnis. Warum das?
Die AUA befindet sich noch immer im Steigflug, aber heuer zieht eine Schlechtwetterfront auf. Zurückzuführen ist das vor allem auf die steigenden Kerosinpreise, die für uns einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag an Mehrbelastung bedeuten. Außerdem gibt es für einige Märkte Reiseverwarnungen, und andere Märkte weisen Überkapazitäten auf. Dieses Jahr wir also sehr anspruchsvoll.

Die Umflottung von den Fokker-Maschinen auf 17 effizientere Embraer-Flieger zählt zu den größten Projekten der österreichischen Luftfahrt-Geschichte. Können Sie hier schon ein Fazit ziehen?
Der Roll-Over läuft seit dem letzten Jahr und hat ein Volumen von 500 Millionen Euro. Heuer werden wir die Umflottung abschließen können, und bislang sind wir sehr zufrieden. Die Embraer-Maschinen haben nicht nur mehr Sitze, sie brauchen auch 20 Prozent weniger Kraftstoff und haben daher weniger CO2-Ausstoß. 

Kürzlich wurde im Ministerrat die Halbierung der Ticketsteuer beschlossen. Welche Auswirkungen erwarten Sie sich davon?Das war ein wichtiger und richtiger Schritt nach vorne. Wir hatten uns aber eine komplette Abschaffung erhofft. Wir werden uns genau anschauen, welche Effekte dadurch ab 2018 entstehen. Unsere Investitionen in den Standort hatten wir ja immer in unter der Betrachtung der Rahmenbedingungen vor Ort geleistet. Dazu zählen etwa auch die Aufnahme von rund 500 Mitarbeitern im vergangenen Jahr und 150 bis 200 Mitarbeitern in diesem Jahr.

Stichwort Rahmenbedingungen: Das Urteil gegen die Dritte Piste hat bei den Unternehmen viel Protest hervorgerufen. Wie beurteilt die AUA diese Entscheidung?
Freundlich ausgedrückt: Wir haben das mit Verwunderung aufgenommen. Vor allem, weil hier zum Teil abenteuerliche Berechnungen zugrunde gelegt wurden. Viel gravierender ist jedoch die Signalwirkung auf den gesamten Standort. Welches große Unternehmen traut sich jetzt noch Investitionen über mehrere hundert Millionen Euro in Österreich machen?

Wenn Sie drei Dinge am Standort NÖ ändern könnten, was würden Sie tun?
Erstens sollten die Themen Luftverkehr und Infrastruktur stärker in die politischen Agenden der Landesregierung aufgenommen werden. Wir hoffen, dass die neue Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner erkennt, wie wichtig das für Niederösterreich ist. Zweitens könnte sich die Politik mehr um intermodale Verbindungen im Verkehrsbereich, wie etwa die „Götzendorfer Spange“, kümmern. Drittens brauchen wir eine Verringerung der Bürokratie sowie eine Flexibilisierung bei den Arbeitszeit-Regelungen.

 

Austrian Airlines:
Die Austrian Airlines (AUA) hat den Hauptsitz am Flughafen Wien-Schwechat und beschäftigt insgesamt 6.450 Mitarbeiter, davon rund 1.100 Piloten und 39 Lehrlinge. Im Vorjahr betrug der Umsatz 2,2 Milliarden Euro, das operative Ergebnis 65 Millionen Euro. Im Jahr 2009 wurde die österreichische Fluglinie von der deutschen Lufthansa Gruppe übernommen. Nach einer harten Phase der Restrukturierung schrieb sie das vierte Jahr in Folge schwarze Zahlen. Sie zählt außerdem nach wie vor zu den fünf pünktlichsten Fluggesellschaften weltweit. Kay Kratky ist seit 1. August 2015 CEO der AUA und hatte davor diverse Lufthansa-Vorstandspositionen inne. Seine Karriere startete der gebürtige Deutsche im Jahr 1981 als Erster Offizier bei der Lufthansa im Cockpit.

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