Urban leben im ländlichen Raum

Kommentar von IV-NÖ-Präsident Thomas Salzer aus den iv-Positionen (November-Ausgabe) zum neuen IV-Aktionspapier "Standort Land". 

Auf weniger als acht Prozent des Siedlungsraumes in Österreich werden mehr als 50 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung erzielt – zu diesem Ergebnis kam eine Fokusgruppe der IV. Ein Blick auf die Landkarte lässt ahnen, dass die Wirtschaftsleistung in Niederösterreich ebenso recht ungleich verteilt ist. Zudem zeigen grafische Auswertungen des Economica Instituts, dass es in den peripheren Gegenden, etwa im nördlichen Wald- und Weinviertel, erhebliche Defizite in der regionalen Wertschöpfung gibt.

Was braucht es also, damit der ländliche Raum nicht noch weiter ausgedünnt wird und es zu keiner Überalterung kommt? Und wie kann Niederösterreich verhindern, dass die Bevölkerung abwandert und sich zunehmend im Großraum Wien ansiedelt? Diese Fragen sind gerade für die Unternehmen wichtig, denn sie haben oft noch mehr mit dem Fachkräftemangel zu kämpfen als Betriebe in Ballungsräumen.

Eine Lösung, die sich aus dem Aktionspapier der Fokusgruppe herauslesen lässt und auch für Niederösterreich gelten kann, lautet: Der ländliche Raum muss urbaner werden. Das bedeutet nicht, dass die Landschaft zunehmend verbaut werden soll – im Gegenteil. Gerade die Natur und die Erholungsräume sind das, was die Bewohnerinnen und Bewohner Niederösterreichs besonders schätzen.

Vielmehr geht es um einen urbanen Komfort und Lebensstil, den sich vor allem jüngere Menschen wünschen. Die beste Lösung dafür lautet: Infrastrukturausbau – etwa durch eine bessere Verkehrsanbindung, mehr Kinderbetreuungsangebote oder attraktive Bildungseinrichtungen.

Dank der Fachhochschulen, aber auch dank regionaler Initiativen wie der Zukunftsakademie Mostviertel, tut sich im Bildungsbereich schon recht viel. Auch die schnellere Zuganbindung zwischen Wien und St. Pölten und der Pendlerbahnhof Tullnerfeld haben die Abwanderung nach Wien eingedämmt. Zudem haben neue Arbeitsplatzmodelle wie Co-Working-Spaces auch längst in Kleinstädten Einzug gehalten.

Bei den Kinderbetreuungseinrichtungen und beim weiteren Ausbau von (öffentlicher) Verkehrsinfrastruktur gibt es aber immer noch enormen Aufholbedarf. Auch das Breitbandnetz muss dringend flächendeckend ausgebaut werden. Schließlich eröffnet die Digitalisierung auch im ländlichen Raum neue Chancen, für die aber ein schneller Datenaustausch möglich sein muss.

Niederösterreich hat in eine vergangenen Jahrzehnten eine bemerkenswerte Entwicklung vom Agrar- zum Industriebundesland vollzogen. Es ist aber noch ein weiter Weg, bis unser Bundesland insgesamt urbaner wird. Wenn wir die Industrie im ländlichen Raum absichern und stärken wollen, müssen wir aber genau diesen Weg gehen.

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