Mehr Freiheit statt überbordender Regulierung

DI Stefan Graf, Geschäftsführer Leyrer + Graf Baugesellschaft mbH, im Gespräch mit den "iv-positionen".
DI Stefan Graf, Geschäftsführer Leyrer + Graf Baugesellschaft mbH

Vor 25 Jahren ist der „Eiserne Vorhang“ gefallen und bereits 1991 hat Leyrer + Graf seine erste Tochtergesellschaft in Tschechien gegründet. Was waren die Motive, als einer der Pioniere schon so früh den Markt jenseits der Grenze zu bearbeiten?

Primär, um die sich gebotenen Chancen so früh wie möglich wahrnehmen zu können. Erleichtert wurde es dadurch, dass es schon zu Zeiten des Eisernen Vorhangs langjährige Wirtschaftstätigkeiten gegeben hat.

In Österreich ist nach wie vor kein Wirtschaftsaufschwung in Sicht. Inwieweit macht sich die Konjunkturflaute in Ihrem Geschäft bemerkbar?

An den klassischen Parametern, das Marktvolumen geht zurück und es herrscht folglich ein hoher Preisdruck. Sehr deutlich spüren wir schon seit längerem den Sparzwang der öffentlichen Hand und die dadurch ausgelöste Zurückhaltung bei den Investitionen. Auch im privaten Sektor bedarf es größerer Anstrengung, um entsprechende Umsätze generieren zu können.

In der Baubranche gibt es eine unüberschaubare Menge an Gesetzen, Vorschriften und Normen. Welche konkreten Wünsche haben Sie diesbezüglich an die Politik?

Der Versuch der Parlamente, anstehende Probleme, ob sie nun gesellschaftspolitische oder wirtschaftspolitische sind, durch überbordende Regulierungen in den Griff zu bekommen, ist generell feststellbar. Ich halte das buchstäblich für eine gefährliche Entwicklung, weil sie die Freiheit des Einzelnen immer stärker einschränkt. Mein konkreter Wunsch an die Politik ist zu erkennen, dass nicht jedes Problem durch Gesetze und Regulierungen in den Griff zu bekommen ist und dass sie beginnt, wieder dem moralisch-ethischen Fundament der Gesellschaft zu vertrauen.

Das Waldviertel gilt als strukturschwach, die Straßen- und Schieneninfrastruktur sowie das Breitbandnetz sind nur unzureichend ausgebaut. Was müsste hier Ihrer Meinung nach primär geschehen?

Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass das Waldviertel nicht so strukturschwach ist, wie es landläufig gesehen wird. Es ist jedoch richtig, dass die Infrastruktur, sowohl beim Verkehr als auch bei der Informationstechnologie, Verbesserungspotential hat. Es ist die primäre Aufgabe der Politik, die Randbedingungen für eine starke Wirtschaftsleistung zu setzen. Darunter fällt selbstverständlich die Herstellung dieser überregionalen Infrastruktur.

Ein zweiter wesentlicher Punkt ist die Frage des Finanzausgleichs. Hier muss die politische Antwort gefunden werden, ob es zukünftig ein Europa der Städte oder ein Europa der Regionen geben soll. Mein Weg ist jener der Regionen, dafür muss der Aufteilungsschlüssel des Finanzausgleichs jedoch neu definiert werden.

Leyrer + Graf Baugesellschaft mbH

Kernbereiche der Produktion von Leyrer + Graf sind der Hoch- und Tiefbau, die Holztechnik sowie die Asphalt- und Betonerzeugung. Das Waldviertler Industrieunternehmen, das zu 100 Prozent in Familienbesitz steht, bietet Leistungen als Bau- und Zimmermeister sowie in der Herstellung von Baustoffen und in der Elektrotechnik an.

Ausgehend vom zentralen Firmensitz in Gmünd betreibt Leyrer + Graf 10 Standorte in Österreich und 4 in Tschechien, darunter Asphaltwerke in Schrems, Lassee und Sierning sowie Betonwerke in Gmünd, Trebon und Chotoviny. Mit 1.600 Beschäftigten erwirtschaftet Leyer + Graf einen Jahresumsatz von rund 200 Millionen Euro.

www.leyrer-graf.at

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