Blaha: Produktion im „kommunikativen Netzwerk“

Interview / Friedrich Blaha im Gespräch über lokale Wertschöpfung, das Überwinden von starren Hierarchien und nachhaltige Rohstoffe.

Friedrich Blaha führt den in Korneuburg ansässigen Familienbetrieb in der zweiten Generation.

Sie bekennen sich zu einer „Renaissance der lokalen Produktion“. Wie setzen Sie diese Philosophie in die Praxis um?

Blaha: Dort, wo die Menschen leben, sollen sie auch die Chance haben, Arbeit zu finden. Outsourcen in fremde Länder, um kurzfriste Vorteile bei den Löhnen zu lukrieren, halte ich für überholt. Man hat erkannt, dass die zusätzlichen Logistik-und Koordinationskosten jeden Lohnvorteil zunichtemachen.

Bei Blaha Büromöbel arbeiten in jedem der drei Hauptbereiche – Metall-, Holz- und Textil-Fertigung – Teams, die sich selbst organisieren. Warum hat man ein solches Modell gewählt?

In den letzten 20 Jahren hat die Dynamik und Komplexität der Märkte überproportional zugenommen. Mit unserer klassischen hierarchischen Organisation kamen wir nicht mehr zurecht. Kaum hatten wir uns auf eine neue Situation eingestellt, war diese bereits überholt. Die Lösung kam von einem Unternehmensberater, der uns die Umgestaltung in ein „kommunikatives Netzwerk“ empfahl. Dabei sind die Knoten des Netzwerkes die autonomen Teams, die durch qualitätsgesicherte Prozesse miteinander verbunden sind.

Das Thema Nachhaltigkeit wird bei Möbel Blaha großgeschrieben. Können Sie Beispiele für den Einsatz ökologisch wertvoller Materialien nennen?

Durch den Trend, die Kommunikation durch Gruppenbüros zu verbessern, ergibt sich eine starke Belastung durch den Lärm. Akustiklösungen sind daher gefragt. Die dazu verwendeten Schalldämmplatten waren jedoch aus Glas- und Steinwolle, die zur Herstellung viel Energie benötigen und hohe CO2-Werte haben. Wir verwenden heute als Dämmplatten Hanf – ein altes, lokales Naturprodukt, das Ressourcen schonend angebaut und verarbeitet werden kann. Ein weiteres beliebig zur Verfügung stehendes Naturprodukt ist Schaf-Schurwolle, die wir zu Luftreinigungselementen verarbeiten.

Sie garantieren Ihren Kunden eine Just-in-Time-Fertigung und Lieferung innerhalb von nur neun Tagen. Wie schaffen Sie das?

Das erreichen wir mit kurzen Durchlaufzeiten vom Rohmaterial bis zum fertigen Produkt. Die Herausforderung ist, dass diese Durchlaufzeiten fix sein müssen, egal wie der tägliche Produktmix aussieht. Autonome Teams, die sich der Auslastung selbstständig anpassen, sind dazu eine wichtige Voraussetzung.

Sie streben heuer ein moderates Wachstum zwischen zwei und fünf Prozent an. Wie wollen Sie das erreichen?

Ich bin kein Wachstumsfetischist. Moderates Wachstum versuchen ich über drei Absatzschienen sicherzustellen. Im Kernmarkt Wien, Niederösterreich und Burgenland sind wir ein lokaler Player. Die restlichen Bundesländer betreuen wir mit lokalen Partnern, und den Blick über die Grenze machen wir nur in die angrenzenden deutschsprachigen Länder. Hier partizipieren wir von der guten Wirtschaftslage in Deutschland und es gibt keine Sprachbarriere!

Wenn Sie die Chance hätten, drei Dinge am Standort NÖ zu verändern, was würden Sie tun?

Wir fühlen uns von der Landespolitik und den Landesbehörden bestens unterstützt. Die Probleme kommen von den Bundesbehörden, wie zum Beispiel BBG, FMA, KK, AI, die anscheinend die Vernichtung von Industriearbeitsplätzen und das Vertreiben der Betriebe über die nahe Grenze als wichtigstes Ziel ansehen. Das Fehlen jedweder Wirtschaftspolitik durch die Bundesregierung verschärft zusätzlich die Situation.

Über die Franz Blaha Sitz- und Büromöbel Industrie GmbH:

Das 1933 in Oberösterreich gegründete und 1962 nach Korneuburg übersiedelte Familienunternehmen erzeugt eine breite Palette von Büromöbeln, darunter u.a. Schreibtische, Drehsessel, Partnerstühle, Konferenzmöbel, Akustik-, Stauraum- und Trennwandsysteme. Vom Rohmaterial weg fertigt Blaha alle Büromöbel selbst, die Produktion startet erst dann, wenn der Kunde bestellt hat. Mit 115 Beschäftigten erwirtschaftet Blaha einen Jahresumsatz von 14 Millionen Euro. Das Familienunternehmen Blaha wird derzeit in zweiten Generation von Friedrich Blaha und seiner Schwester Gabriele Blaha geführt.

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