Niederösterreichs Steinindustrie fordert Infrastrukturausbau im ländlichen Raum

Da sich der Großteil der Bautätigkeit derzeit in den urbanen Zentren abspielt, fordert die heimische Stein- und Keramische Industrie, den Infrastrukturausbau auch in den ländlichen Regionen zu forcieren

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Infrastruktur 2 (Symbol Schiene, Bahn)

„Die Entwicklung ist gerade hier besorgniserregend“, stellt Fachgruppenobmann Raimund Hengl gegenüber dem NÖ Wirtschaftspressedienst fest. Die Kluft zwischen Gewinnern und Verlierern in der Baustoffbranche werde immer größer. Zu den Gewinnern zählen die Ziegel- und -Fertigteilindustrie, die Beton- und -Fertigteilindustrie sowie die Zementindustrie und die Transportbetonindustrie. Verlierer sind die Naturwerksteinindustrie, sowie die Feinkeramische Industrie und die Putz- und Mörtelindustrie.

2016 hat die Baustoffindustrie laut Raimund Hengl weiterhin auf geringem Niveau stagniert. Gesamt gesehen sei es ein schwaches durchschnittliches Jahr für die Branche gewesen. „Insbesondere die EU-Gesetzgebung stellt die Unternehmen vor große Herausforderungen. Vor allem die Klimapolitik bedroht Arbeitsplätze in der Baustoffindustrie“, sagt der Wirtschaftskammer-Funktionär. „Besonders hart treffen uns die Baustoffrecycling Verordnung, die Emissionshandelsrichtlinie und das Ökostromgesetz. Die Produktion wird dadurch immer teurer. Außerdem besteht die Gefahr, dass Produktionen ins Ausland verlagert werden.“ Außerdem gäbe es mangels fehlender finanzieller Mittel der öffentlichen Hand weniger Großbaustellen.

Dazu komme der Preisdruck aus den Nachbarländern. „Mit deren Dumpingpreisen kann unsere Branche einfach nicht mithalten – beim besten Willen nicht“, so Hengl. Daher fordert er die Verantwortlichen zu raschem Handeln auf. Die Änderung des Arbeitszeitgesetzes sei dabei ebenso wichtig wie eine Baustoffneutraliät bei der Vergabe von Aufträgen. Kritisch sieht er auch die „Bevorzugung einzelner Bauweisen“ sowie die Blockade „flexibler Arbeitszeitmodelle, die schlichtweg eine Notwendigkeit sind“, weil die Bautätigkeit eine Lieferbereitschaft „just in time“ erfordere.

Die Erwartungen der Branche für 2017 sind zurückhaltend. „Wir rechnen mit ähnlichen Umsatzzahlen wie im vergangenen Jahr“, sagt Raimund Hengl. Obwohl der Jahresbeginn witterungsbedingt gut gewesen sei, könnten sich heuer die späten Ostern negativ auf das erste Quartal auswirken. Dazu komme noch das fehlende Geld der öffentlichen Hand für notwendige Investitionen.

Zurzeit gibt es in Niederösterreich 85 aktive Betriebe der Stein- und Keramischen Industrie, die aus 15 Berufsgruppen besteht. Dazu zählen auch die Beton-Fertigindustrie sowie die Zement-, Ziegel- und Natursteinindustrie. Zudem gehören der Fachgruppe Feinkeramische Industrie mit der Sanitär- und Geschirrproduktion sowie die Ofen-Kachelproduktion an. An 185 Standorten in Niederösterreich werden 3.092 Mitarbeiter beschäftigt und 51 Lehrlinge ausgebildet.

(dsh / NÖ Wirtschaftspressedienst)

 

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