„Mein Herz schlägt für Chancenfairness“

Sonja Zimmermann, Aufsichtsratsvorsitzende der Berndorf Gruppe, über den Aufschwung nach der Krise, ihr Engagement bei Bildungsprojekten und die Herausforderungen beim Klimaschutz (iv-positionen, Ausgabe Juni). 

Sonja Zimmermann ist seit März 2020 Aufsichtsratschefin der Berndorf Gruppe.

Sie sind im März 2020 als Aufsichtsratsvorsitzende auf Ihren Vater Norbert Zimmermann gefolgt. Nahezu zeitgleich ist die Corona-Pandemie ausgebrochen. Das war ein turbulenter Start, oder?

Es war ein Sprung ins kalte Wasser. Einige haben meinen Vater gefragt, ob das jetzt ein guter Zeitpunkt wäre. Er hat gemeint: jetzt oder nie. Ich sehe es als große Chance, in so einer Zeit an die Schalthebel zu kommen. So bin ich sofort ins Tun gekommen.

Die Berndorf Gruppe umfasst weltweit Unternehmen aus mehreren Branchen. In welchen Regionen und Branchen wurde die Krise halbwegs gut überstanden, wo ist es noch besonders herausfordernd?

Insgesamt steht die Berndorf Gruppe heute besser da als wir das noch vor einem Jahr erwartet hätten. In China war die Krise im ersten Quartal bereits überwunden. Auch in den USA ist das Geschäft wieder angesprungen. Einige Tochtergesellschaften profitieren vom Investitionsboom – etwa die Zulieferbetriebe für die Möbel- und Bauindustrie und der Bäderbau. Herausfordernd ist nach wie vor der Automotive-Bereich – dort beschäftigt uns  die Transformation der Branche, Stichwort Elektrifizierung des Antriebs.

Wann wird die Berndorf Gruppe das Vorkrisenniveau erreicht haben? 

Wenn weiterhin alles gut läuft, noch heuer. Das gilt vielleicht nicht für alle Bereiche, aber die Gruppe insgesamt wird das schaffen .

Die Berndorf Gruppe hat im Jahr 2016 vier Unternehmen zugekauft. Sehen Sie aktuell Chancen auf neue Erweiterungen? 

Unsere erste Priorität bleibt die Erweiterungunserer vorhandenen Geschäftsfelder. Aber wir denken auch über neue Bereiche nach – etwa Medizintechnik, oder Umwelttechnik. Wir werden unsere Fühler langsam ausstrecken und die Chancen genau prüfen, denn Unternehmen haben derzeit generell sehr hohe Bewertungen.

Sie sind auch im Vorstand der MEGA Bildungsstiftung, die am 9. Juli in einer ORF-Show insgesamt eine Million Euro Förderung für Bildungsprojekte vergibt. Warum ist Ihnen das Engagement im Bildungsbereich so wichtig?

Für das Thema Chancenfairness schlägt mein Herz. Da lassen wir in Österreich leider viel Potenzial liegen. Es ist schade, dass Jugendliche zurückbleiben, weil das System so ist, wie es ist. Schade nicht nur für die Jugendlichen, sondern auch für Österreich. Es gibt ja bereits jetzt zu wenig Fachkräfte und nicht genug Lehrlinge.

Heuer werden von der MEGA Bildungsstiftung Projekte im Bereich Wirtschafbildung gefördert.

Genau, da geht es um grundlegendes Verständnis, das zum Teil immer noch fehlt. Jeder Mensch ist Teil der Wirtschaft und sollte das nötige Wissen besitzen, dass ihn zu einem mündigen Akteur macht. Im besten Fall sind bei den von MEGA ausgewählten Finalisten auch Projektideen dabei, die dann später vom Bildungssystem übernommen werden.

Für die Berndorf AG ist der Lehrlingsmangel allerdings kein Thema. Im Februar wurde verkündet, dass 40 Prozent mehr Lehrlinge als im Vorjahr aufgenommen wurden.

Das hat vor allem mit unserem Lehrlingsausbildner zu tun, der unglaublich engagiert ist. Er geht viel in Schulen, unsere Lehrlinge haben schon oft Preise gewonnen und das alles spricht sich herum. Auch die hohe Behaltequote nach einer Lehre bei Berndorf ist bekannt. Und es gibt gute Schulen in der Umgebung, etwa das Polytechnikum in Pottenstein.

Wenn Sie drei Dinge am Standort Niederösterreich ändern könnten, was würden Sie tun?

Großteils kann ich nur sagen: bitte weiter so! Etwa beim Ausbau der Fachhochschulen, bei der Förderung der Lehrausbildung. Das funktioniert und sollte unbedingt weiter ausgebaut werden. Auch die Breitbandanbindung ist gut. Unterstützung brauchen wir beim Thema Klimaschutz – vor allem, wenn es darum geht, wie wir die neuen Regulierungen so umsetzen können, dass es auch wirtschaftlich Sinn macht. Hier gibt es viel Informationsbedarf. Klimaschutz ist wichtig, aber darf nicht dazu führen, dass die Unternehmen nicht mehr hier produzieren können.

 

Über das Unternehmen:
Die Berndorf AG ist die Holding einer Gruppe von mittelständischen Industriegesellschaften in den Bereichen Werkzeugbau, Automotive, Wärmebehandlung, Band & Bandanlagen, Pressbleche, Bäderbau, Verfahrenstechnik, Mechatronics und Joint Ventures. Die Tochter- und Beteiligungsgesellschaften der Berndorf Gruppe beschäftigen derzeit rund 2.180 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in mehr als 20 Ländern. Die Berndorf Privatstiftung unterstützt gemeinnützige Projekte sowohl innerhalb als auch außerhalb der Berndorf Gruppe. Bei externen Projekten hat die Berndorf Privatstiftung einen Schwerpunkt auf Bildung gelegt und fördert daher Initiativen wie „Teach For Austria“.
Sonja Zimmermann ist seit 2009 Aufsichtsratsmitglied der Berndorf Gruppe und seit 2020 dessen Vorsitzende.

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