„Wir brauchen Impfungen für unsere Schlüsselkräfte“

Interview aus den "iv-positionen": Rudolf Vogl, Geschäftsführer von König & Bauer AT über die Hürden bei Geschäftsreisen, neue Wege für Maschinen-Abnahmen und die Lehrlingsausbildung am Standort Maria Enzersdorf.

Rudolf Vogl ist seit 2015 ist er Geschäftsführer von König & Bauer in Maria Enzersdorf.

Der Umsatz der König & Bauer-Gruppe ist 2020 um 17 Prozent zurückgegangen. Als Grund dafür kommunizierte der Konzern die weltweiten Maßnahmen zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie, vor allem Reisebeschränkungen. Was sind aktuell die Hürden beim Thema Geschäftsreisen?  

2020 war nicht leicht, aber wir haben weniger Rückgänge als im Branchenschnitt des VDMA verzeichnet. Aktuell machen uns vor allem die Einreise- und Quarantäneregelungen zu schaffen. Wir unternehmen alles, um unsere Monteure bei den Auslandseinsätzen zu schützen, indem wir etwa ganze Bereiche in Hotels reservieren und von dort Shuttleservices zu den Kunden organisieren und in Abstimmung mit Corona-Beauftragten Sicherheitskonzepte erstellen. Die Kunden zahlen diesen Mehraufwand überwiegend nicht.

Wie wichtig wäre es in Ihrem Fall, dass Geschäftsreisende bei der Impfung priorisiert werden?

Enorm wichtig, denn trotz aller Sicherheitsvorkehrungen kommt es immer wieder zu Erkrankungen. Gelddrucken ist aber auf der ganzen Welt systemrelevant und deswegen müssen unsere Monteure reisen können. Hier geht es nicht nur um einzelne Unternehmen, sondern um die ganze Volkswirtschaft. Wir bräuchten für unsere Beschäftigten mindestens 150 Impfungen. Viele unserer Monteure sind erst in ihren 30ern, sie müssen wegen ihrer Einsätze in Risikoländern aber trotzdem zu einer Impfung kommen.

 

Wenn die Krise vorbei sein wird, was werden die wichtigsten Lerneffekte für Ihr Unternehmen sein?

Es ist uns gelungen, die Abnahmen unserer technisch hochwertigen und komplexen Maschinen und Anlagen zum Teil mit Videokonferenzen durchzuführen, indem etwa mehrere Kameras rundherum aufgebaut wurden. Dass so etwas möglich sein kann, das hätten wir früher nicht geglaubt. Dadurch wird auch die Reisetätigkeit weniger werden. Was uns noch bleiben wird, ist der flexiblere Umgang mit dem Thema Home-Office. In einem klassischen Maschinenbau-Unternehmen wie unserem war das früher kein großes Thema.

Bei König & Bauer werden auch Lehrlinge in fünf verschiedenen Berufsfeldern ausgebildet. Was unternehmen Sie, um genug engagierte junge Leute zu finden?

Erstens hat unserer Ausbildung einen sehr guten Ruf – wir haben den Staatspreis als Lehrlingsausbilder bekommen – und unsere Maschinen sind technologisch höchst interessant. Zweitens ist Mödling der größte HTL-Standort Europas und daher profitieren wir von vielen Schulabbrechern, die bei uns eine Lehre beginnen wollen. Beim Rekrutieren setzen wir auf Aufnahmetests und Schnuppertage. Leider sind viele Lehrlingsmessen ausgefallen, aber dafür werden Online-Plattformen wichtiger. Insgesamt sind etwa die Hälfte unserer Beschäftigten im Operations Bereich ehemalige Lehrlinge.

Welche Vor- und Nachteile hat der Standort Maria Enzersdorf?

Wir profitieren am meisten vom enormen Know-How und der Flexibilität unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Auch die geografische Lage von Maria Enzersdorf bringt Vorteile – etwa durch die Nähe zu unseren östlichen Nachbarländern und dem Flughafen Wien.

Wenn Sie Dinge am Standort Niederösterreich ändern könnten, was würden Sie tun?

Wir sollten insgesamt noch mehr auf Fachkräfteausbildung und Nachwuchsarbeit setzen, denn das sind Investitionen in die Zukunft. Österreich ist leider kein günstiger Standort – die hohen Steuern im Vergleich mit anderen Ländern bzw. noch höhere Steuern für Unternehmen gefährden unsere Wettbewerbsfähigkeit enorm. Verkehrstechnisch und bei Behördenwegen sind wir gut aufgestellt, aber natürlich gibt es auch hier noch Luft nach oben.

Über das Unternehmen:
Die Koenig & Bauer (AT) GmbH ist das älteste Druckmaschinenbauunternehmen Österreichs und gehört zur deutschen Unternehmensgruppe König & Bauer mit Sitz in Würzburg. Mit einem Marktanteil von über 80 Prozent ist Koenig & Bauer Weltmarktführer im Bereich Banknotendruckmaschinen. In Maria Enzersdorf beschäftigt König & Bauer rund 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon circa 25 Lehrlinge. Rudolf Vogl ist im Jahr 2010 als Prokurist ins Unternehmen eingestiegen, seit 2015 ist er Geschäftsführer. Davor war er über 20 Jahre in der Geschäftsleitung von Wittmann-Battenfeld sowie fünf Jahre lang technischer Geschäftsführer von Holz-Her Spezialmaschinen.

Quelle: iv-positionen, April 2021 - ePaper der gesamten Ausgabe

IV-IconPOSITIONEN

Das Magazin der Industrie.
Hier lesen Sie die aktuelle Ausgabe.

Neueste Ausgabe lesen

IV-IconPOSITIONEN

Das Magazin der Industrie.
Hier lesen Sie die aktuelle Ausgabe.

Neueste Ausgabe lesen
iv-positionen Bild