„Mangel an technischen Hochschulabsolventen“

Im Gespräch / Matthias Kuhn, Geschäftsführer der Messer Austria GmbH, über die Vorteile der Digitalisierung, den Fachkräftemangel und den Standort Gumpoldskirchen.

Matthias Kuhn, Geschäftsführer von Messer Austria sammelte langjährige Erfahrungen beim US-Konzern Air Products und wechselte im Vorjahr an die Spitze von Messer Austria.

Was genau produziert die Messer Austria GmbH – und wo kommt man im Alltag mit den Produkten in Kontakt?
Wir produzieren Industriegase, basierend auf Sauerstoff, Stickstoff, Argon, Wasserstoff, Helium, Kohlendioxid und Acetylen. Diese Gase werden in allen Branchen eingesetzt, vor allem in der Stahlindustrie, der chemischen Industrie, Schweißtechnik, Glasverarbeitung sowie in Laboren und Medizin. Ein großer Anwendungsbereich ist auch die Lebensmittelindustrie, etwa beim Haltbarmachen durch Frosten, bei der Verpackung oder auch die Kohlensäure in Getränken. Zu unseren Vertriebswegen zählen Pipelines, Onsite-Anlagen, Tankwagen sowie Gasflaschen.

Welche Rolle spielt die Digitalisierung in Ihrem Geschäft?
Die digitale Vernetzung ist ein wesentlicher Faktor bei den Beziehungen zu unseren Kunden und Lieferanten. Die Flüssigtanks sind direkt mit uns verbunden, der Kunde braucht sich um nichts kümmern. Die Gasflaschen sind alle mit einem Barcode ausgestattet, eine mögliche Weiterentwicklung wäre die kommunizierende Flasche. Außerdem sind wir gerade dabei, unsere internen Abläufe zu überprüfen und die innerbetriebliche Vernetzung zu optimieren.

Sie haben die Geschäftsführung der Messer Austria GmbH vor einem guten Jahr übernommen – wie ist Ihr Start verlaufen?
Sehr gut. Ich bin mit meiner Frau im Oktober 2015 nach Österreich gezogen. Im Betrieb bin ich sehr gut aufgenommen worden. Kulturell gab es einige Unterschiede, da Messer ein deutsches Familienunternehmen ist und ich zuvor in einem börsennotierten US-Konzern tätig war. Aber ich fühle mich sehr wohl und habe den Schritt keinen einzigen Tag bereut.

Welche Vor- und Nachteile hat der Standort Gumpoldskirchen?
Ein großer Vorteil ist die Nähe zu Wien und die gute Verkehrsanbindung. Wir sind seit 1908 hier tätig und haben ein sehr gutes Verhältnis zur Stadt. Von hier aus ist es zwar nicht möglich, ganz Österreich mit Flüssiggas zu versorgen, dafür können wir auch Ungarn, Tschechien und die Slowakei beliefern. Der größte Teil unseres Geschäfts macht aber ohnehin das Flaschengas aus und hier können wir mit mehreren Standorten ganz Österreich gut abdecken.

Bekommen Sie in Ihrem Unternehmen den Fachkräftemangel zu spüren?
Sehr bedingt. Wir haben großes Glück mit unseren Lehrlingen. Bemerkbar macht sich allerdings ein Mangel an FH- und Uni-Absolventen. Das mag vielleicht daran liegen, dass hier ein großer Wettbewerb mit anderen guten Arbeitgebern in der Region herrscht.

Wenn Sie drei Dinge am Standort Niederösterreich ändern könnten, was würden Sie tun?
Das wichtigste Thema ist die Entbürokratisierung. Wir arbeiten mit Gefahrgütern und da ist Sicherheit natürlich wichtig, aber die Anzahl an Audits und Überprüfungen ist sehr belastend. Es wäre besser, wenn alle Überprüfungen geballt stattfinden und aus einer Hand kommen würden. Außerdem ist nicht immer klar, welche Behörde wofür zuständig ist. Der dritte Punkt sind die hohen Abgabenlasten – aber das betrifft ganz Österreich, nicht nur Niederösterreich.

 

Messer Austria GmbH:
Der Industriegashersteller hat den Hauptsitz in Gumpoldskirchen sowie sechs weitere Standorte und über 70 Gase Center in Österreich. Messer Austria betreibt Luftzerlegungsanlagen, erzeugt, lagert und transportiert Gase. Die Spezialgase werden für die Haltbarmachung von Lebensmitteln verwendet, kommen aber auch in der Stahl-, Metall-, Pharma-, Automobil- und Elektronikindustrie sowie in der Medizin und Forschung zum Einsatz.  Weltweit arbeiten rund 5.400 Menschen für die Messer Gruppe, davon 180 in Österreich. Der Jahresumsatz betrug zuletzt 50 Millionen Euro. Matthias Kuhn übernahm im Vorjahr die Geschäftsführung. Davor war der diplomierte Volkswirt in Belgien bei Air Products als Geschäftsführer für den Bereich Merchant Gases tätig.

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