Hilfe leisten und Chancen nutzen

Die aktuelle Flüchtlingswelle verlangt eine Neuausrichtung unserer Migrations- und Fremdenpolitik – aus humanitären, und langfristig gesehen auch aus wirtschaftlichen Gründen.
IV-Niederösterreich-Präsident DI Johann Marihart

Humanitäre Hilfe für Menschen, die ihre Heimat aufgrund von Krieg und Verfolgung verlassen müssen, darf nicht infrage stehen. Viele Industriebetriebe aus Niederösterreich helfen dabei mit. So haben etwa die Erber Group oder die Firma Mondi Unterkünfte für dutzende Flüchtlinge zur Verfügung gestellt. Vielfach können ungenutzte Betriebsgebäude – zeitlich begrenzt – für die Unterbringung von Flüchtlingen genützt werden. Die Industriellenvereinigung Niederösterreich fungiert gerne als Kontaktstelle!

Langfristig gesehen geht es aber um mehr als die Frage nach der Unterbringung. Das hat schon die Flüchtlingswelle während des Jugoslawienkriegs gezeigt. Laut UNHCR hat Österreich in den 90er-Jahren rund 90.000 Kriegsflüchtlinge aus den ex-jugoslawischen Ländern aufgenommen. Knapp 60.000 von ihnen fanden hier eine zweite Heimat und sind heute integriert.

Von gelungener Integration kann aber nur dann die Rede sein, wenn Menschen am Arbeitsmarkt Fuß fassen können. Dazu braucht es einen erleichterten Arbeitsmarktzugang sowie umfangreichende Qualifikationserhebungen. Die Industriellenvereinigung fordert schon lange, dass Flüchtlinge spätestens sechs Monate nach der Asylantragsstellung einen Zugang zum Arbeitsmarkt erhalten sollen. Im Rahmen der Erteilung soll das Ersatzkraftverfahren gelten – das heißt, es muss zunächst geprüft werden, ob es für die zu besetzende Stelle sonst keine inländische Fachkraft oder keine ausländische Fachkraft mit Arbeitserlaubnis gibt.

Durch eine rasche Qualifikationserhebung im Vorfeld könnten diese Menschen schneller vermittelt werden, auch der konkrete Bedarf an Nachschulungen oder Deutschkursen könnte geprüft werden. Zudem sollte man mit der Qualifikationserhebung auch ermitteln können, ob die betroffene Person vielleicht sogar hochqualifiziert ist und daher eine Rot-Weiß-Rot-Karte beantragen könnte.

Von den österreichweit rund 17.000 im Juni als arbeitslos gemeldeten Asylberechtigten haben rund 1.100 Personen eine höhere oder akademische Ausbildung absolviert. Demnach gelten sechs Prozent aller Asylberechtigten als hochqualifiziert. Trotzdem wird es dadurch zu keinem großen Verdrängungswettbewerb gegenüber heimischen Fachkräften kommen – dafür sorgen Kollektivverträge sowie das Lohn- und Sozialdumpinggesetz.

Fakt ist: Wir sollten diese Menschen integrieren und ausbilden. Denn die Verfügbarkeit von Fachkräften wird auf lange Sicht über das Schicksal unseres Industriestandortes entscheiden.

Aktueller Leitartikel IV-NÖ-Präsident Johann Marihart in den "iv-positionen"

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