Abschottung ist keine Lösung

Wir haben die Verantwortung, Menschen, die vor Krieg und Hunger fliehen, in unserem Land aufzunehmen. Damit sie auch Zugang zum Jobmarkt bekommen, braucht es aber neue Rahmenbedingungen.

Weil sie aufgrund der derzeitigen Gesetzeslage nicht zum Arbeitsmarkt zugelassen sind, werden derzeit zehntausende Asylwerber zum Nichtstun gezwungen. Und das führt dazu, dass diese Menschen – meist sind es junge Erwachsene im besten erwerbsfähigen Alter – keinen Anschluss zur hiesigen Bevölkerungen finden, ihre Zeit auf öffentlichen Plätzen totschlagen und leider kaum die Chance bekommen, deutsch zu lernen.

Diese Situation kann nicht in unserem im Sinne sein. Uns sollte bewusst sein, dass jegliche Form der Abschottung zu wesentlich größeren Problemen innerhalb unserer Gesellschaft führt. Daher ist es dringend notwendig, dass einerseits die Asylverfahren in Österreich beschleunigt und andererseits neue Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit Asylwerber schon früher zum Arbeitsmarkt zugelassen werden können.

Die aktuelle Lage stellt für potenzielle Arbeitgeber eine neue Herausforderung dar. Und sie wirft die Frage auf, ob es in diesen Fällen nicht besser wäre, unsere kollektivvertraglichen Barrieren zu hinterfragen, damit auch Flüchtlinge einer sinnvollen Beschäftigung nachgehen können. Hier könnte eine Art Ausbildungsvertrag Abhilfe verschaffen, der bereits vor Erhalt des Asylbescheids einen Zugang zum Jobmarkt ermöglicht.

Dabei sollte es den Betrieben eingeräumt werden, Asylwerber über bis zu zwei Jahre hinweg zu einem niedrigeren Tarif zu beschäftigen. Eine gleichwertige Bezahlung gegenüber österreichischen Arbeitnehmern wäre nicht gerechtfertigt – schließlich haben viele Flüchtlinge nicht die gleichen Qualifikationen sowie meist Nachholbedarf bei den Sprachkenntnissen. Betriebliche Kurzausbildungen und Sprachkurse, eventuell gefördert von der öffentlichen Hand, könnten diese Lücken schließen.

Die Beschäftigung von Asylwerbern könnte den Integrationsprozess beschleunigen und den in vielen Betrieben vorherrschenden Fachkräftemangel einbremsen. Langjährige, gut qualifizierte Mitarbeiter brauchen dabei keine Angst um ihren Job haben. Und dass eine derartige vertragliche Regelung nicht zu einer Dauerlösung verkommen sollte, ist ebenso klar. Es darf aber auch keine Dauerlösung sein, dass zigtausende Flüchtlinge zunächst auf Staatskosten leben müssen und in weiterer Folge häufig in der Mindestsicherung landen. Vielmehr sollten diese Menschen auch eine Chance bekommen, in dem Land, das sie aufgenommen hat, einen Beitrag zu leisten. Und wie wir wissen, passiert Integration letzten Endes vor allem in der Arbeitswelt.

Tausende Flüchtlingskinder finden bereits Anschluss in Österreich, weil sie hierzulande in die Schule gehen dürfen. Geben wir auch den erwachsenen Asylwerbern die Möglichkeit, in unserer Gesellschaft Fuß zu fassen.

Editorial IV-NÖ-Präsident Salzer in der aktuellen Ausgabe der "iv-positionen".

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