Girls‘ Day: Technikerinnen gesucht

Morgen, Donnerstag (28. April), findet in Niederösterreich der Girls‘ Day statt. Bereits zum 15. Mal öffnen heuer Unternehmen ihre Türen für interessierte Schulklassen, die damit die Betriebe in ihrer Region besser kennen lernen können.

Bildungs-Landesrätin Mag. Barbara Schwarz (3. v. l.), Mag. Marion Carmann, stv. Landesgeschäftsführerin des AMS NÖ (6. v. l.), DI Lenz Simon, Geschäftsführer der Jungen Industrie NÖ (6. v. r.), KommR Sonja Zwazl, Präsidentin der Wirtschaftskammer NÖ (5. v. r.), Magdalena und Ing. Mag. Friedrich Blaha (beide rechts).

Bei der Firma Blaha in Korneuburg hatten Schülerinnen der NMS Korneuburg II Windmühlgasse bereits heute die Möglichkeit, sich über den morgen anstehenden Girls' Day und die Lehrberufe bei Blaha zu informieren.

 

1.800 Schülerinnen aus 92 Schulen und 85 Unternehmen

Landesrätin Schwarz bedankte sich bei der Familie und dem Unternehmen Blaha, das ein „Vorzeigeunternehmen in Niederösterreich“ sei, dass hier Schülerinnen die Möglichkeit haben, zu schnuppern. „Der Girls‘ Day ist sehr erfolgreich“, betonte Schwarz, dass dieser heuer zum 15. Mal stattfinde. Im Jahr 2005 hätten etwa 700 Schülerinnen daran teilgenommen, heuer seien es bereits 1.800 Mädchen aus 92 Schulen in 85 Unternehmen, so die Landesrätin.

 

70 Prozent der Mädchen entscheiden sich für nur drei Lehrberufe

Mädchen sollten sich fragen „Wo liegt mein Talent, was kann ich gut?“. Über 70 Prozent der Mädchen würden sich immer noch für die drei klassischen Lehrberufe Friseurin, Einzelhandelskauffrau oder Handelsangestellte entscheiden, dabei hätten sie die Wahl aus über 200 Lehrberufen, davon viele im technischen Bereich. „Die Technik bietet wunderbare Berufs- und Verdienstmöglichkeiten für Frauen“, betonte Schwarz, dass die Mädchen einen Beruf wählen sollten, der ihrer eigenen Neigung entspreche und ihnen Freude mache. Zudem sei eine gute Ausbildung, auf die man bauen könne, wichtig, um sich ein gutes und eigenständiges Leben als Frau aufbauen zu können, so die Landesrätin. „Lehre und Karriere ist kein Widerspruch“, betonte Schwarz.

 

Viele Betriebe von ehemaligen Lehrlingen geleitet

Wirtschaftskammer-Präsidentin Zwazl betonte, dass sie „stolz auf unsere Leitbetriebe“ sei. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sei es wichtig, dass man Vorbilder habe, die zeigen, dass man mit Innovation, Disziplin und Ideen Erfolg haben könne. „Bei der Berufsausbildung geht es um die Talente“, so Zwazl, die betonte, dass sich die Schülerinnen fragen sollten, wo ihre Stärken liegen. Seitens der Wirtschaftskammer NÖ habe man daher gemeinsam mit dem Land NÖ den Begabungskompass geschaffen, um Jugendlichen ihre Stärken vor Augen zu führen. „Wir bilden über 200 Berufe aus“, so Zwazl. „Viele Betriebe werden von Persönlichkeiten geführt, die als Lehrling begonnen haben“, hielt die Wirtschaftskammer-Präsidentin fest, dass die Lehre auch eine Grundlage dafür sei, sich selbstständig zu machen.

 

Verdienstchancen sprechen für technische Berufe

Die stellvertretende AMS-Landesgeschäftsführerin Carmann sagte, es sei „ein schönes Signal“, dass das Interesse und die Beteiligung am Girls‘ Day steigen. Man müsse Mädchen davon überzeugen die klassischen Berufswege zu verlassen, indem man ihnen neue Berufswelten zeige. Es gebe eine steigende Arbeitslosigkeit, aber gleichzeitig auch eine Nachfrage nach gut ausgebildeten Leuten. Man müsse daher den Menschen klarmachen, „wenn ich was lerne, habe ich in meinem Leben bessere Chancen“, so Carmann. Eine Friseurin im ersten Lehrjahr verdiene 395 Euro, eine Kfz-Technikerin hingegen 668 Euro, führte Carmann vor Augen, dass die klassischen Frauenberufe schlechter bezahlt seien und dass sich das in weiterer Folge auf auch Pensionsanspruch und Arbeitslosengeld auswirke. 80 Prozent der Lehrberufe gebe es im naturwissenschaftlichen oder technischen Bereich, das müsse man bewusst machen. Erproben und Entdecken sei dabei etwas ganz Wichtiges, so Carmann.

 

Interesse für Technik früh fördern

Der Geschäftsführer der Jungen Industrie Niederösterreich Lenz Simon betonte, dass die Beschäftigungsmöglichkeiten für Techniker steigen. „Mehr als 50 Prozent der Unternehmen wollen Techniker einstellen“, so Simon. Zudem würden technische Studienrichtungen, die von Industriebetrieben besonders stark nachgefragt nur 25 Prozent weibliche Absolventinnen verzeichnen. „Auch in der HTL St. Pölten beträgt der Mädchen-Anteil noch unter zehn Prozent“, erklärt Simon. Die Entscheidung, welchen Beruf man wähle, hänge vor allem bei Mädchen stark von ihrem Umfeld ab. Der Girls‘ Day biete daher die Chance, in weniger bekannte Berufsbilder hinein zu schnuppern. Allerdings müsse man bereits im Kindergarten anfangen, spielerisch Technikthemen zu erfassen. „Mit dem Technischen Museum gibt es etwa das Projekt „Technik kinderleicht!“. Wir müssen früh genug das Interesse für Technik entwickeln und zeitgemäße Berufsfelder vermitteln“, so Simon.

 

Girls Day 2016

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