Fachkräftemangel bedroht den Wirtschaftsaufschwung

Zwar brummt in Österreich zurzeit der Konjunkturmotor unüberhörbar kräftig, aber immer mehr produzierende Unternehmen haben erhebliche Probleme, die einlangenden Aufträge auch abzuarbeiten. Es fehlen nämlich die geeigneten Fachkräfte.

Bild 1_v.l.n.r. Beutelmeyer, Schwarzl, Ortner, Salzer, Wabnegger

„In Deutschland, wo die Wirtschaft momentan ebenfalls sehr gut läuft, ist diese Entwicklung noch dramatischer“, warnt Thomas Salzer, Präsident der Industriellenvereinigung Niederösterreich (IV-NÖ). „Dort gibt es bereits hohe Auftragsrückstände, die die Betriebe nicht mehr bewältigen können.“ Das gefährde das weitere Wirtschaftswachstum.

Um auch in Österreich dieses drohende Szenario wirksam abzuwehren, erneuert Salzer seine Forderung nach einer Fachkräfte-Offensive, die bewusstseinsbildend schon an den Schulen ansetzen soll. „In Niederösterreich funktioniert die Berufsinformation an sich gut, es gibt aber leider noch immer Allgemein Bildende Schulen (AHS), die nicht mitmachen“, stellt er fest. Dabei eröffne gerade die Kombination aus Matura und Lehre – „die man unbedingt stärker verkaufen muss“ – den Jugendlichen große Zukunftschancen. In der Schweiz laufe dieses Ausbildungsmodell inzwischen sehr erfolgreich.

Ein niederösterreichisches Industrieunternehmen, das schon seit 20 Jahren Lehrlinge schult und sie nach der Ausbildungszeit im Betrieb beschäftigt, ist der Sanitärtechnik-Erzeuger Geberit aus St. Pölten-Pottenbrunn. „Wir machen das, weil wir sonst keine Fachkräfte bekämen“, erklärt Geschäftsführer Helmut Schwarzl. Mittlerweile seien viele, die ihren Berufseinstieg bei Geberit mit einer Lehre gestartet haben, zu Führungskräften aufgestiegen. In der Produktion beschäftigt das Unternehmen rund 400 Mitarbeiter, im Vertrieb weitere 70.

Trotz der positiven Grundstimmung und der guten Auftragslage gilt der Facharbeitermangel in der Sanitärtechnik-Produktion und auch bei den Installateuren als größte Branchen-Herausforderung der Zukunft. Das hat eine Expertenbefragung ergeben, die das market-Institut durchgeführt hat. So orten vier von fünf interviewten Personen, wie Architekten, Installateuren und Großhändlern, einen Fachkräftemangel in ihrer Branche – davon 58 Prozent einen sehr großen und 21 Prozent einer „eher“ großen.

84 Prozent der Experten betrachten zudem das „Finden qualifizierter Mitarbeiter“ als in Zukunft wichtige Herausforderung. Von der mangelhaften Qualifikation manches Berufsanwärters haben auch die market-Studienautoren einiges zu hören bekommen. Geschäftsführer Werner Beutelmeyer: „Speziell im urbanen Raum bemerken wir einen dramatischen Verlust an handwerklichen Fähigkeiten. Ich sage es überspitzt: Die Nieten sitzen in der Stadt.“

(mm / NÖ Wirtschaftspressedienst)

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