Beim Einkommen hängen Facharbeiter sogar Uni-Absolventen ab

Lehrlinge, die sich in Industrieberufen zu Facharbeitern ausbilden lassen, können unvergleichlich rasch ein hohes oder sogar höheres Lebenseinkommen als ein Universitätsabsolvent erzielen. Das hat eine von der Industriellenvereinigung Niederösterreich (IV-NÖ) in Auftrag durchgeführte Studie ergeben.

IV-NÖ-Präsident Thomas Salzer, Kunststofftechnikerin Ingrid Schwab und IV-NÖ-Bildungssprecher Helmut Schwarzl am Produktionsstandort der Geberit in Pottenbrunn.

„Mit einer Lehre in der Industrie erreicht man bis ca. zum 40. Lebensjahr einen Einkommensvorsprung, der nur von wenigen Hochschulstudien übertroffen wird“, sagte IV-Chefökonom Christian Helmenstein bei der Präsentation der Studienergebnisse. Verglichen dabei wurden u.a. das Lebenseinkommen eines Mechatronikers mit jenem eines Bankangestellten sowie die Gehaltskurve eines Systemtechnikers mit der eines Einzelhandelskaufmanns bzw. einer Einzelhandelskauffrau.

Apropos Frauen: Noch immer drängen Mädchen in die drei traditionell mäßig bezahlten Berufszweige Bürokauffrau, Friseurin (Stylistin) oder Einzelhandelskauffrau. Und das, „obwohl das Einkommensniveau in der Industrie wesentlich höher ist“, unterstreicht IV-NÖ-Präsident Thomas Salzer. Junge Frauen auch für technische Berufe in der Sachgütererzeugung zu interessieren, ist daher aus seiner Sicht eine zentrale Aufgabe der österreichischen Bildungspolitik.

Dem von den Koalitionsparteien ÖVP und Grünen ausverhandelten neuen Regierungsprogramm stellt Salzer grundsätzlich ein positives Zeugnis aus, obwohl man noch manche Finanzierungsfrage klären müsse. Große Chancen für die Industrie sieht Salzer im Themenkreis Forschung und Entwicklung, „denn dazu können wir viel beitragen, um umweltschonende Technologien voranzutreiben.“ Überhaupt sei es erfreulich, dass sich die neue Regierung dazu bekenne, Klimaschutz und Industrie nicht als Widerspruch zu werten. „Verhindern müssen wir vor allem, dass Produktionen ins Ausland ausgelagert werden. Davon hat die Umwelt nichts und Niederösterreich auch nichts, wenn Arbeitsplätze verloren gehen“, warnt der IV-NÖ-Präsident.

Auch der in der Industriellenvereinigung zuständige Bildungssprecher Helmut Schwarzl, Geschäftsführer der Sanitärtechnik-Firma Geberit aus Pottenbrunn, sieht im vorgelegten Regierungsprogramm erfreuliche Ansätze. Dazu zähle die „MINT“-Offensive, denn vor allem für jene Berufe, die mit Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) zu tun haben, suche die Wirtschaft händeringend nach geeigneten Arbeitskräften. Positiv wertet Schwarzl auch die Initiative des Landes Niederösterreich und des Arbeitsmarktservice (AMS), mit der 46 Millionen Euro in die Lehrlingsausbildung fließen. Entscheidend sei aber letztlich, dass „Talent und Freude am Job zusammenpassen“, streicht er hervor.

(mm / NÖ Wirtschaftspressedienst)

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