Hohe Investitionsbereitschaft, aber enger gewordene Spielräume

Umfrage: Investitionsklima in der NÖ Industrie

WKNÖ-Präsidentin Sonja Zwazl und IV-NÖ-Präsident Johann Marihart

70 Prozent der niederösterreichischen Industriebetriebe werden ihre Investitionen am Standort Niederösterreich in den nächsten zwölf Monaten voraussichtlich steigern oder ausbauen. Bei den Investitionssteigerungen gehen fast die Hälfte in Ersatz- (29 Prozent) und Rationalisierungs-(25 Prozent) und lediglich 30 Prozent in wachstumsfördernde Erweiterungsinvestitionen. Das zeigt eine heute von Sonja Zwazl, der Präsidentin der Wirtschaftskammer Niederösterreich (WKNÖ), und dem Präsidenten der Industriellenvereinigung Niederösterreich (IV-NÖ) Johann Marihart präsentierte Umfrage zum Investitionsklima in der NÖ-Industrie.

Ersatz- und Rationalisierungsinvestitionen statt Erweiterung

„Die Investitionsbereitschaft unserer Industrie und damit ihr Bekenntnis zum Standort Niederösterreich ist hoch“, so Zwazls Resümee: „Aber die Spielräume sind enger geworden.“ So ist etwa der Anteil der Unternehmen, die angeben, in den vergangenen zwölf Monaten ihre Investitionen zurückgefahren zu haben, von 21 Prozent im Jahr 2013 auf nunmehr 29 Prozent gestiegen. Marihart unterstreicht, dass mehr als die Hälfte der Ausgaben in Ersatz- und Rationalisierungsinvestitionen fließen. „Der internationale Druck auf die Verkaufspreise wird immer größer. Ersatz- und Rationalisierungsmaßnahmen sind unausweichlich, um den Status quo aufrechterhalten zu können,“ so der IV-NÖ-Präsident: „Anstatt Spielraum für wachstumsfördernde Erweiterungsinvestitionen zu haben, sind die Unternehmen immer mehr gefordert ihre Maschinen und Prozesse zu modernisieren, damit Kosten zu optimieren, um letztendlich Konkurrenzfähig bleiben zu können.“

Scharfe Absage an zusätzliche Belastungen

Zwazl warnt vor diesem Hintergrund dringend vor zusätzlichen Belastungen für die Wirtschaft. „Was wir ganz sicher nicht brauchen können, sind zusätzliche Belastungen. Neue Belastungen schaffen nicht Beschäftigung, sondern vernichten Betriebe und Arbeitsplätze.“ Dazu passt auch, dass 40 Prozent der Industriebetriebe ein schlechteres oder viel schlechteres Investitionsklima im Vergleich zu den vergangenen Jahren orten – „was nicht zuletzt auch als Ausdruck sinkenden Vertrauens in die Reformfähigkeit des heimischen Standorts zu werten ist“, so Marihart.

Sechs Haupthemmnisse für Investitionen

Bei den Hemmnissen für Investitions- und Unternehmenstätigkeiten stehen bei den blau-gelben Industriebetrieben zu hohe Personal- und Lohnkosten an der Spitze, gefolgt von zu hohen Steuern und Abgaben, fehlenden Fachkräften, mangelnder Flexibilität bei Arbeitsregelungen und Lohnkomponenten, mangelhafter Bürokratieeffizienz sowie zu hohen Energie- und Rohstoffkosten. „Ein Fortschreiben des Status Quo in Österreich ist nicht mehr ausreichend. Es müssen Maßnahmen ergriffen werden, um neuen Schwung in unseren Industriestandort zu bringen“, unterstreicht Marihart, der angesichts des neuen Regierungsteams auf die Chance eines Neustarts verweist: „Wir müssen weg von rein populistischer und ideologischer Sprechblasen-Politik, hin zu einer echten Sachpolitik.“ Dies gelte gerade für die viel diskutierte Steuerreform: „Steuerpolitischer Populismus und das Schielen auf politisches Kleingeld sind der falsche Weg. Daher ist die Absage von Vizekanzler Mitterlehner an Vermögenssubstanz- sowie Erbschafts- und Schenkungssteuer zu begrüßen.“ Seitens der Industrieellenvereinigung habe man bereits vor zwei Jahren ein Konzept präsentiert, wie eine Steuerstrukturreform über Reformen und damit ohne neue Steuern jeglicher Art finanzierbar wäre. „Wir haben kein Einnahmen, sondern ein Ausgabenproblem, das wir nur über schlankere Strukturen in den Griff bekommen können“, betont der IV-NÖ-Präsident.

Über 1.000 Euro Bildungsinvestitionen pro Beschäftigtem

Zwazl verweist im Zusammenhang mit dem Fachkräftemangel auf Initiativen, mehr Jugendliche für technische Ausbildungen an Schulen und Universitäten zu begeistern sowie zur Förderung der Lehre. Bemerkenswert ist, dass gemäß Untersuchung die Unternehmen Im Schnitt allein für Schulungskosten über 1.000 Euro für jeden Beschäftigten im Jahr ausgeben. „Die Betriebe leisten Hervorragendes, wenn es um die Aus- und Weiterbildung geht“, unterstreicht die WKNÖ-Präsidentin. Ein Viertel der Unternehmen will die Weiterbildungsmaßnahmen in den nächsten zwölf Monaten sogar noch ausbauen. 68 Prozent wollen sie in bewährter Höhe fortsetzen.

Zur Umfrage

An der gemeinsamen Umfrage von Industriellenvereinigung und Wirtschaftskammer Niederösterreich haben 94 Unternehmen mit insgesamt fast 20.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern teilgenommen. Im Vorjahr wurde von diesen Unternehmen ein Umsatz von 7,3 Milliarden Euro erwirtschaftet. Ihr Investitionsvolumen am Standort Niederösterreich lag bei 661,7 Millionen Euro.

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