Politische Horizonterweiterung dringend erbeten!

"Die Steuerreform steht. Die koalitionäre Pflichtübung ist abgehakt", stellt IV-NÖ-Präsident Marihart in seinem aktuellen Leitartikel fest.

Daher ist der Regierung anzurechnen, dass sie die Steuerreform im angekündigten Volumen auf den Weg gebracht und eine politische Entscheidung getroffen hat. Die Progression wurde korrigiert. Ein struktureller Ansatz durch Reformen ohne Gegenfinanzierung auszukommen fehlt.

Steuern und Abgaben fressen fast die Hälfte der Gehaltserhöhungen auf. Das ist für die Betriebe höchst unbefriedigend, weil die Menschen nicht spüren, dass sie ihrem Arbeitgeber weit mehr wert sind als die Netto-Summe am Ende des Monats ausweist. Vor allem aber ist es für unser engagiertes Personal höchst demotivierend und setzt keinerlei Leistungsanreize. Wenn den Menschen durch die Tarifreform nun mehr Geld vom Lohn bleibt, ist das selbstverständlich positiv. Auch die Anhebung der Forschungsprämie von 10 auf 12 Prozent ist zu begrüßen und verbessert das Innovationsumfeld. Langjährige Forderungen der IV wären damit erfüllt, zumindest wenn man die eine Seite der „Steuerreform-Medaille“ betrachtet.

Die andere Seite wirft hingegen mehr Fragen auf, als sie Antworten liefert. Insbesondere was die Gegenfinanzierung der Reform betrifft. Hier hat man einmal mehr mutige, strukturelle und zukunftsweisende Entscheidungen ausgespart. Fortwährendes Reparieren bestehender Strukturen wird aber auf Dauer nicht reichen, wenn wir Wohlstand und Jobs sichern oder ausbauen möchten. Nachhaltig erfolgreich werden wir nur sein, wenn auch im Bereich der Arbeitszusatzkosten weitere Maßnahmen gesetzt werden. Langfristig muss auch die Aufgabenverteilung im Staat neu geordnet werden.

Denn der Rucksack für unsere Kinder, Enkel und Urenkel wird immer größer. Aber es ist nicht nur eine Frage der Generationengerechtigkeit, es geht auch um die Kernfrage, in welche Richtung sich der Industrie- und Arbeitsplatzstandort Österreich in Zukunft entwickeln soll. Die Steuerreform wäre eine Möglichkeit gewesen, hier klare Impulse zu setzen und für eine positivere Stimmung zu sorgen – sowohl in der Bevölkerung als auch in der Wirtschaft. Das private und betriebliche Investitionsumfeld würde sich schlagartig verbessern, das Vertrauen in die Qualität des Standortes steigen und die Investitionstätigkeit stimuliert werden. Immer mehr sind Investitionen auch eine Frage des Vertrauens und nicht nur des Return-On-Investments.

Die Politik unterliegt anderen Spielregeln als die Wirtschaft. Trotzdem ist es gemeinsame Aufgabe eine positive Wirtschaftskultur zu schaffen, die einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil darstellt. Es geht darum, das große Ganze im Auge zu haben und nicht den anstehenden Landtagswahlmarathon. Es geht darum in Generationen zu denken. Umso wichtiger ist es, den politischen Horizont zu öffnen, Mut zu beweisen und die Steuerreform als Anfang ohne Ende – im positiven Sinne – zu verstehen. Denn wie schon der Elektrotechniker und Erfinder von 1.500 Patenten Thomas Alva Edison sagte: „Erfolg hat nur, wer etwas tut, während er auf den Erfolg wartet.“

IV-IconInformationen zum Beitrag


IV-IconVerwandte Themen


IV-Mitgliedernews

Industriegruppe-West: Bürokratielast senken und Standort sichern

Auf Einladung von Industriegruppensprecher Ing. Leander Ahorner (Geschäftsführer BÖHLER-UDDEHOLM Precision Strip GmbH) un...

Arbeit, Soziales & Gesundheit

Marihart enttäuscht von Steuerreform-Ankündigungen

IV-Niederösterreich Präsident Johann Marihart kritisiert in einem aktuellen Interview mit den Niederösterreichischen Nach...

Arbeit, Soziales & Gesundheit

Junge Industrie und Junge Wirtschaft plädieren anlässlich des Tax Freedom Day für „zukunfts-...

JI NÖ/Bgld-Vorsitzender Unger und JW NÖ-Vorsitzender Aulenbach: Steuer- und Abgabenlast erdrückend hoch – Strukturreforme...

IV-IconPOSITIONEN

Das Magazin der Industrie.
Hier lesen Sie die aktuelle Ausgabe.

Neueste Ausgabe lesen

IV-IconPOSITIONEN

Das Magazin der Industrie.
Hier lesen Sie die aktuelle Ausgabe.

Neueste Ausgabe lesen
iv-positionen Bild