Neue Denkweisen erforderlich

Der Hype um „Industrie 4.0“ flaut nicht ab. Zu vielfältig sind die Branchen, in denen die Digitalisierung um sich greift, zu umfangreich die Veränderungen, die dadurch in der Fertigung entstehen. Nicht außer Acht gelassen werden dürfen dabei auch die Neuerungen, die Industrie 4.0 für Ausbildung und Arbeitsmarkt bringt.

Thomas Salzer, Geschäftsführer Salzer Papier GmbH und Präsident der IV NÖ

Es geht um weit mehr als nur IT-Skills, wenn wir im internationalen Wettbewerb rund um Industrie 4.0 am Ball bleiben wollen. Die Beschäftigten der Zukunft müssen vor allem eines können: Vernetzt denken. Denn trotz des umfassenden technischen Fortschritts müssen hinter sämtlichen Prozessen immer Menschen stehen, die das System und dessen Zusammenhänge verstehen und somit auch die richtigen Entscheidungen treffen können. 

Industrie 4.0 bringt damit auch ganz neue Herausforderungen an das Bildungssystem mit sich. IT-Knowhow und vernetztes Denken werden zu wesentlichen Grundsteinen. Es mutet daher anachronistisch an, wenn Bildungs- und Familienministerium Oberstufenklassen mit E-Books ausstatten und digitale Kompetenzen zu stärken, statt das Geld für Frühförderung von technischen Skills zu verwenden. 

Insgesamt braucht es nämlich viel mehr als nur die technischen Hilfsmittel: Etwa logisches Denkvermögen, technisches Verständnis oder das Vorstellungsvermögen darüber wie Systeme noch besser funktionieren können – unterm Strich Qualifikationen, auf die wir auch bei den Beschäftigten in unseren Unternehmen setzen müssen. Je früher hier das Interesse geweckt wird, desto eher werden sich Schulkinder für eine technische Ausbildung und technische Berufe interessieren.  

Damit die Leidenschaft für neuartige Technologien schon im Schulunterricht gefördert werden kann, sollte aber auch der Spaßfaktor nicht zu kurz kommen. Die Freude am Herumexperimentieren kann schließlich zu den erstaunlichsten Ergebnissen führen – wenn man es zulässt und dem Leistungsdruck nicht die Überhand lässt. 

Trotz alldem wird nicht jedes Kind eine Vorliebe für Technik entwickeln – und das ist auch gut so. Vielleicht sollten uns die neuen Denkweisen, die durch Industrie 4.0 in die Unternehmen vordringen, auch im Schulwesen dazu inspirieren, die Dinge auch anders zu betrachten. Ist es wirklich sinnvoll, dass Kinder in allen Schulfächern umfassend beurteilt werden? Gibt es nicht auch Fächer, in denen es vorwiegend um die Kreativität gehen sollten – etwa im Bereich Musik, Zeichnen, aber eben auch beim Programmieren? Viele Bildungsexperten plädieren schon lange dafür, dass der Schulunterricht den Fokus mehr auf besondere Fähigkeiten und verborgene Talente setzen sollte, als auf standardisierte Beurteilungen. 

Denn genaue diese Talente, die hin und wieder auch neue Denkweisen mitbringen, die brauchen wir später im Arbeitsmarkt und in unseren Unternehmen – in Zeiten des digitalen Wandels sogar mehr denn je zuvor.

Leitartikel des IV-NÖ-Präsidenten Thomas Salzer in der aktuellen Ausgabe der iv-Positionen Mai 2016 (1,5 MB)

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