Konjunktur in NÖ: Ein Dämpfer für den Aufschwung

Im zweiten Quartal 2018 sackte das Konjunkturbarometer der Industriellenvereinigung NÖ (IV-NÖ) deutlich nach unten. Verschlechterungen gab es vor allem bei den Einschätzungen zur zukünftigen Entwicklung.

Das IV-NÖ Konjunkturbarometer – als Mittelwert aus der Beurteilung der gegenwärtigen und zukünftigen Geschäftsentwicklung – ist seit dem ersten Quartal 2018 von +44,9 auf +29,2 Punkte gesunken. „Zwar befinden wir uns immer noch in einem guten konjunkturellen Umfeld. Der Aufschwung hat wegen der negativen Einschätzungen für die zukünftige Entwicklung jedoch einen Dämpfer erhalten“, so Thomas Salzer, Präsident der Industriellenvereinigung Niederösterreich (IV-NÖ).

 

Probleme bei der Suche nach Fachkräften

Die Detailergebnisse zeigen, dass die Unternehmen vor allem bei ihren Prognosen für die nächsten Monate skeptisch sind. Zu den Gründen dafür zählen die internationalen Handelskonflikte, die für Verunsicherung sorgen, aber auch der Fachkräftemangel, der sich weiter zuspitzt: 17 Prozent der befragten Unternehmen gehen davon aus, in den nächsten drei Monaten ihren Beschäftigtenstand zu erhöhen, gleichzeitig glauben aber auch 17 Prozent der Befragten, in den nächsten drei Monaten weniger Personal zu beschäftigen. Der Großteil, nämlich 66 Prozent, rechnet mit einem gleichbleibenden Beschäftigtenstand in drei Monaten. Dadurch sank der Bewertungssaldo von +18 Punkten im ersten Quartal auf +0 Punkte. „Unterm Strich wird hier deutlich, dass Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt häufig nicht zusammenpassen. Es ist natürlich erfreulich, dass die Arbeitslosigkeit in Niederösterreich im Juni 2018 erneut gesunken ist. Aus Sicht der Betriebe spitzt sich der Fachkräftemangel jedoch weiter zu. Nach wie vor haben mehr als acht von zehn Unternehmen Probleme bei der Rekrutierung von Fachkräften aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik“, so Salzer.

 

Skepsis bei zukünftiger Entwicklung

Zu einem deutlichen Rückgang kam es bei der Einschätzung der Geschäftslage in sechs Monaten: Hier sank der Saldo von +23 auf -16 Punkte. „Damit gibt es seit dem dritten Quartal 2015 erstmals wieder deutlich mehr Unternehmen, die im kommenden halben Jahr von einer schlechteren Geschäftslage ausgehen. Der Großteil, nämlich 74 Prozent, geht allerdings von einer gleichbleibenden Geschäftslage aus“, so Salzer. Gesunken ist auch der Saldo bei der Frage nach der Produktionstätigkeit in den nächsten drei Monaten – und zwar von +40 auf +10 Punkte. Ebenfalls gesunken ist der Saldo bei der Einschätzung nach der Produktionskapazität in drei Monaten, und zwar von +45 auf +12 Punkte. Bei der Ertragssituation in sechs Monaten sank der Saldo ebenso, und zwar von +7 auf -11 Punkte. Der Großteil, nämlich 70 Prozent, rechnet im nächsten halben Jahr mit gleichbleibenden Erträgen, jedes fünfte Unternehmen geht allerdings von einer Verschlechterung aus. Bei den Verkaufspreisen in den nächsten drei Monaten stieg der Saldo von -2 auf +4 Punkte nur sehr gering an. Der Großteil, nämlich 70 Prozent aller Unternehmen, rechnet mit gleichbleibenden Verkaufspreisen, die bereits jetzt einem starken Kostendruck ausgesetzt sind.

 

Zufrieden mit aktueller Situation und Auslandsaufträgen

Weiters gibt es mit 78 Prozent eine klare Mehrheit bei jenen Unternehmen, die ihre aktuelle Geschäftslage als gut bewerten. Mit dem aktuellen Auftragsbestand sind ebenfalls mehr als drei Viertel (78 %) aller Unternehmen zufrieden. Bei den aktuellen Auslandsaufträgen blieb der Bewertungs-Saldo nahezu stabil bei +63 Punkten (Q1: +66). „Das ist erfreulich, denn 2017 war ein Rekordjahr für die niederösterreichische Exportwirtschaft. Schließlich stieg das Warenexportvolumen seit 2016 um 8,8 Prozent auf 21,8 Milliarden Euro“, so Salzer. Bei der Einschätzung zur aktuellen Ertragssituation gab es kaum Veränderungen (Saldo sank von +26 auf +25 Punkte).

 

Befragungsmethode:

Bei der Befragung, die die IV-NÖ quartalsweise in Auftrag gibt, haben dieses Mal 38 Unternehmen mit insgesamt 18.520 Beschäftigten teilgenommen.

Bei der Konjunkturumfrage der IV kommt die folgende Methode zur Anwendung: Den Unternehmen werden drei Antwortmöglichkeiten vorgelegt: positiv, neutral und negativ. Errechnet werden die (beschäftigungsgewichteten) Prozentanteile dieser Antwortkategorien, danach wird der konjunktursensible „Saldo“ aus den Prozentanteilen positiver und negativer Antworten unter Vernachlässigung der neutralen gebildet. Diese Werte werden auch für die grafische Darstellung des Konjunkturbarometers herangezogen.

IV-IconInformationen zum Beitrag


Kontakt

Gerti Wallner, MA

Öffentlichkeitsarbeit, GF Junge Industrie NÖ/Burgenland, Industriellenvereinigung Niederösterreich

T +43 1 71135 2445
gerti.wallner@iv.at



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