Konjunkturumfrage für das 3. Quartal 2020: langsame Erholung, Unsicherheit bleibt

Industriebetriebe stehen weiterhin vor großen konjunkturellen Herausforderungen. Bekämpfung des Fachkräftemangels und Erreichbarkeit von Fernmärkten als Schlüsselfaktoren für wirtschaftliche Erholung.

Das IV-NÖ Konjunkturbarometer ist seit dem zweiten Quartal 2020 von -14,6 auf -6,0 Punkte deutlich gestiegen, befindet sich aber nach wie vor im negativen Bereich. Das bedeutet, dass bei der Einschätzung ihrer Geschäftsentwicklung nach wie vor die Skepsis unter den niederösterreichischen Industriebetrieben überwiegt.

„Wir befinden uns aktuell in einer sehr heiklen Phase. Die Betriebe unternehmen sehr viel, um ihre Beschäftigten vor der Ausbreitung der Covid-Pandemie zu schützen. Das zeigt sich auch dadurch, dass die meisten Ansteckungen im privaten Bereich und nicht im Arbeitsumfeld passieren. In den kommenden Wochen gilt es, sehr umsichtig miteinander umzugehen, um möglichst viele Ansteckungen und einen neuerlichen Lockdown zu verhindern“, so Thomas Salzer, Präsident der Industriellenvereinigung Niederösterreich (IV-NÖ).

 

Fachkräftemangel bleibt trotz steigender Arbeitslosigkeit

Bei den Detailergebnissen zur Konjunkturumfrage zeichnet sich ab, dass die Unternehmen in den nächsten Monaten Anpassungen beim Personalstand vornehmen werden müssen, da die Krise länger als ursprünglich erwartet andauernd könnte. So rechnen etwa 42 Prozent der Unternehmen, mit einem geringeren Beschäftigtenstand in den kommenden drei Monaten. Mehr als die Hälfte (58%) geht von einem gleichbleibenden Personalstand aus. „Es gibt aber auch Betriebe, die nach Fachkräften suchen – vor allem im technisch-naturwissenschaftlichen Bereich“, so Salzer.

Kurzarbeit darf keine Dauereinrichtung werden

Die Weiterbildungsverpflichtung während der Kurzarbeit in der Phase 3 sowie die neu eingerichtete Arbeitsstiftung des AMS, die auch Umschulungen im technischen Bereich unterstützt, seien daher sehr zu begrüßen. Die Verlängerung der Kurzarbeit mit der Phase 3 sei für die Industrieunternehmen jedenfalls sehr wichtig gewesen, und zwar „vor allem für jene Betriebe, die in den ersten Monaten noch ein Auftragspolster hatten und bei denen Krise nun zeitversetzt ankommt“, so Salzer. Durch die die Kurzarbeitsbeihilfen konnte ein dramatischer Anstieg der Arbeitslosigkeit vermieden werden. „Trotzdem darf die Kurzarbeit in der aktuellen Form keine Dauer-Einrichtung werden. Wichtiger wäre hingegen eine zeitliche Ausdehnung der Investitionsprämie. Investitionen sind essentiell, um Wachstum zu generieren, sodass wieder mehr Arbeitsplätze geschaffen werden können“, so Salzer.

Zurückhaltende Prognosen für die kommenden Monate

Die Prognosen für den Winter sind laut Umfrage eher pessimistisch. So sank etwa der Bewertungssaldo bei der Produktionstätigkeit in drei Monaten von -12 auf -31 Prozentpunkte seit dem Vorquartal. Dabei bewerten 36 Prozent der Unternehmen ihre Produktionsstätigkeit weiterhin als „schlecht“, während nur 6 Prozent von einer Verbesserung in den nächsten drei Monaten ausgehen. Ähnlich verhält es sich mit bei der Produktionskapazität in drei Monaten: 37 Prozent gehen von einer geringeren Produktionskapazität aus, während nur acht Prozent mit einer Steigerung rechnen. Unterm Strich sank der Bewertungssaldo von -12 auf -29 Prozentpunkte.

Weiters rechnen die Unternehmen nach wie vor überwiegend mit sinkenden Verkaufspreisen in den nächsten drei Monaten. Der Saldo ist mit -26 Prozentpunkten (nach -30 im Vorquartal) weiterhin deutlich im negativen Bereich. Knapp ein Drittel (28%) der Betriebe rechnet mit schlechteren Verkaufspreisen. Daher erwartet auch nur eine Minderheit von neun Prozent eine Verbesserung ihrer Ertragssituation in sechs Monaten. Nahezu die Hälfte (46%) geht von schlechteren Erträgen im nächsten halben Jahr aus. Unterm Strich sank der Bewertungssaldo hier von -27 auf -37 Prozentpunkte. Bei der Bewertung der Geschäftslage in sechs Monaten stieg der Saldo nur marginal von -27 auf -24 Prozentpunkte und ist damit nach wie vor deutlich im negativen Bereich.

Langsame Erholung bei aktueller Situation bemerkbar

Die Umfrageergebnisse zur aktuellen Geschäftslage weisen hingegen eine Verbesserung auf. 40 Prozent der befragten Unternehmen bewerteten ihre aktuelle Geschäftslage als gut, 28 Prozent als schlecht und 32 Prozent als durchschnittlich. Damit stieg der Bewertungssaldo von -3 auf +12 Prozentpunkte. Auch bei der Einschätzung des aktuellen Auftragsstands stieg das Barometer von +2 im Vorquartal auf +16 Punkte. „Derzeit leben die Unternehmen vor allem von Inlandsaufträgen, während Exportmärkte nach wie vor schwächer sind und die Fernmärkte noch immer schwer erreichbar“, so Salzer. Diese Entwicklung zeigt sich auch bei den Umfrageergebnissen zu den aktuellen Auslandsaufträgen: Hier liegt Saldo mit -16 Prozentpunkten nach wie vor deutlich im negativen Bereich.

„In den Fernmärkten fehlen unseren Betrieben neben Neuaufträgen auch Folge- und Montageaufträge. Dazu kommt eine hohe Planungsunsicherheit, wenn große Projekte, die bereits zugesagt wurden, aufgrund der Covid-Situation doch nicht umgesetzt oder aufgeschoben werden oder Pönale-Zahlungen drohen, da Projekte durch Reisebeschränkungen nicht fristgerecht umgesetzt werden“, so Salzer.

Gering gebessert hat sich die derzeitige Ertragssituation: Hier stiegt der Bewertungssaldo von -24 Prozentpunkte im Vorquartal auf -10 Prozentpunkte. Kritischer ist aber der Ausblick in die nahe Zukunft: 33 Prozent der befragten Betriebe gehen von einer schlechteren Ertragssituation aus und nur 24 Prozent von steigenden Erträgen.

 

Befragungsmethode:

Bei der Befragung, die die IV-NÖ quartalsweise in Auftrag gibt, haben dieses Mal 36 Unternehmen mit insgesamt 15.157 Beschäftigten teilgenommen. Der Befragungszeitraum umfasste den 10. September bis 2. Oktober 2020.

Das Konjunkturbarometer ist der Mittelwert aus der Beurteilung der gegenwärtigen und zukünftigen Geschäftsentwicklung bei den befragten Unternehmen. Bei den Detailergebnissen der Konjunkturumfrage der IV kommt die folgende Methode zur Anwendung: Den Unternehmen werden drei Antwortmöglichkeiten vorgelegt: positiv, neutral und negativ. Errechnet werden die (beschäftigungsgewichteten) Prozentanteile dieser Antwortkategorien, danach wird der konjunktursensible „Saldo“ aus den Prozentanteilen positiver und negativer Antworten unter Vernachlässigung der neutralen gebildet. Diese Werte werden auch für die grafische Darstellung der Ergebnisse herangezogen.

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Kontakt

Gerti Wallner, MA

Öffentlichkeitsarbeit, GF Junge Industrie NÖ/Burgenland, Industriellenvereinigung Niederösterreich

T +43 1 71135 2445
gerti.wallner@iv.at



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