„Es war eine Preis-Rallye rauf und runter“

Interview aus den "iv-positionen" / Alfred Berger, Vorstandmitglied der NÖM AG, im Gespräch über Investitionen in Baden, den Milchpreis, „zarte Bande“ zum Exportmarkt Asien und die Lehrlingssuche.

Alfred Berger ist seit 2000 im Vorstand der NÖM AG.

Die NÖM hat im Vorjahr zwölf Millionen Euro am Hauptsitz in Baden investiert – unter anderem in eine modernere Sortieranlage sowie in eine neue Flaschen-Abfüllanlage. Was hat sich seitdem in der Produktion verändert?

Berger: Die neuen Anlagen wurden im Vorjahr reibungslos in das Netz installiert und laufen glücklicherweise schon mit voller Auslastung. Wir können damit nicht nur weitere Konsumtrends mit neuen Produkten abbilden, sondern sind auch für die Kapazitätsspitzen im Sommer besser gerüstet.

Auch in diesem Jahr werden wir wieder zwischen 10 und 15 Millionen Euro in neue Technologie investieren. Ein Teil der Summe fließt in den Ausbau eines modernen Kühllagers.

 

Beim Milchpreis waren Sie in den vergangenen Jahren mit einigen Ausnahmesituationen konfrontiert – Stichwort Milchquote, hoher Butterpreis oder Russland-Embargo. Hat sich die Lage nun beruhigt?

Die von Ihnen beschrieben Stichworte haben uns in den Jahren 2017 und 2018 ordentlich beschäftigt. Zuerst zu viel Milch, dann zu wenig und schließlich ernstzunehmende Engpässe bei der Butterversorgung. Und damit auch eine Preisrally rauf und wieder runter im hohen zweistelligen Millionenbereich. Zurzeit hat sich die Lage ein wenig beruhigt, aber ab Mai kommt saisonbedingt sicher wieder Bewegung ins Spiel.

Welche Rolle spielt der Export für die NÖM-Erzeugnisse?

Wir liegen bei einem 45-prozentigen Exportanteil in insgesamt 25 europäischen Exportmärkten. Italien und Deutschland führen im Ranking.

Geographisch machen unsere östlichen Nachbarn Sinn, leider ist die Kaufkraft und der lokale Milchpreis für unsere hochpreisigen Markenartikel eine sehr große Hürde. Daher haben wir seit 20 Jahren einen klaren Westeuropa Fokus. In Asien haben wir zarte Bande geknüpft und dies schauen wir uns dieses Jahr mit großem Interesse und dem notwendigen Respekt an.

Im Einzelhandel gibt es bei Milchprodukten einen Trend zu Glasgebinden. Wird die NÖM künftig auch bei den PET- und Tetra-Pack-Gebinden bleiben?

Nach wie vor werden 96 Prozent der Milchmenge laut Nielsen 2018 in Weichpackungen gekauft – so viel zur Marktgröße. Glas ist zweifelsohne sehr stark im Trend. Wir denken aber, dass Recycling-PET mit dem gelben Sack oder Tonne ökologisch mindestens gleichwertig ist. Unser Ziel ist es ähnlich wie bei Vöslauer, den Recycling-Anteil am Ende auf 100 Prozent zu erhöhen. Dies dauert aber noch. Wir beobachten die Entwicklung hin zu innovativen Verpackungsmöglichkeiten für Lebensmittel sehr genau und werden als einzige CO2 neutrale Molkerei Österreichs selbstverständlich weiter den Weg bestreiten, der den geringsten CO2 Fußabdruck hinterlässt und der Umwelt auf lange Sicht gesehen gut tut.

 

Was sind die weiteren Trends bei Milchprodukten?

Der Trend zu einer deutlichen Zuckerreduzierung bei Lebensmitteln zeichnete sich in den letzten Jahren immer stärker ab und wird auch weiterhin ein Thema sein. Diese Hausaufgaben haben wir bei unseren Marken schon gemacht.
Proteinangereicherte Produkte sind nach wie vor im Vormarsch. Ob flüssig oder löffelbar, beide verzeichnen in vielen Ländern in Europa attraktive Wachstumsraten, auch dieser Trend wird uns noch länger begleiten.

Convenience wird weiterhin eine immer größere Rolle spielen, in Verbindung mit der out of home-Konsumation muss man hier dementsprechende Lösungen anbieten.
Zudem sind Regionalität, Nachhaltigkeit und Tierwohl wichtige „hard und soft facts“. Diese Aufgaben gehören mit all den verbundenen Aufwand einfach erledigt, sonst wird einen der Konsument einfach abstrafen.

Die NÖM bildet aktuell 15 Lehrlinge in vier Berufen aus. Wie geht es Ihnen bei der Lehrlingssuche?

Unsere HR Abteilung hat sehr viel Arbeit in die Kommunikation zur Lehrlingssuche gesteckt.  Wir organisieren und beteiligen uns an Messen, Schulbesuchen bis hin zu Infotagen am NÖM-Standort und speziell im Bezirk Baden, bei welchen Schüler der neunten Schulstufe mit ihren Eltern in die NÖM kommen dürfen, um sich ein Bild von den möglichen Lehrberufen machen zu können. Viele Maßnahmen wurden umgesetzt, die zu unserer Freude greifen, denn wir hatten noch nie so ein großes Lehrlingsteam. Es besteht zurzeit aus 19 Lehrlingen und wird hoffentlich noch weiterwachsen.

 

Über das Unternehmen:
Das niederösterreichische Unternehmen mit Sitz in Baden wurde 1898 von Franz v. Pirko als "Niederösterreichische Molkerei reg. Genossenschaft mbH" gegründet. Rund 3.000 Milchbauern versorgen die NÖM  täglich mit Rohmilch. Rund 800 Mitarbeitern verarbeiten jährlich rund eine halbe Milliarde kg Milch. Die NÖM erwirtschaftet rund 400 Mio. Euro Umsatz. Weitere Informationen unter www.noem.at

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