IV-NÖ-Konjunkturumfrage: Das negative Gesamtergebnis wird stark von der beschäftigungsstarken metalltechnischen Industrie geprägt. Die IV-NÖ drängt auf eine rasche Umsetzung der wirksamsten Maßnahmen der Industriestrategie, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Standorts zu stärken.
NÖ INDUSTRIE: ERTRAGSLAGE BLEIBT KRITISCH, AUSBLICK TRÜBT SICH EIN

Die wirtschaftliche Lage der niederösterreichischen Industrie hat sich weiter eingetrübt. Das aktuelle IV-NÖ-Konjunkturbarometer fällt im zweiten Quartal 2026 auf -28,8 Punkte, nach -19,8 Punkten im Vorquartal. Zwar wird die aktuelle Geschäftslage etwas weniger negativ beurteilt als im Vorquartal, der Ausblick auf die kommenden Monate hat sich jedoch deutlich verschlechtert.
Besonders stark prägt die metalltechnische Industrie das Gesamtergebnis, das beschäftigungsgewichtet ist. 14 der 44 teilnehmenden Betriebe kommen aus dieser Branche. Auf sie entfallen 52 Prozent der insgesamt in der Umfrage erfassten Beschäftigten.
Der Blick auf die Branchen macht außerdem teilweise erhebliche Unterschiede sichtbar: Stabilere Tendenzen zeigen sich bei der aktuellen Geschäftslage oder beim Auftragsbestand unter anderem in der chemischen Industrie, der Holzindustrie sowie der Elektro- und Elektronikindustrie. In der Nahrungs- und Genussmittelindustrie fallen vor allem die Erwartungen für Produktion und Beschäftigung günstiger aus.
„Die Zahlen zeigen kein einheitliches Bild. Während einzelne Bereiche stabiler beurteilt werden, bleibt die Lage in der metalltechnischen Industrie äußerst angespannt. Die Auftragslage ist bereits schwach, zugleich rechnen die Betriebe mit einer sinkenden Produktion und einem Personalabbau“, sagt IV-NÖ-Geschäftsführerin Michaela Roither.
Die Ergebnisse der Konjunkturumfrage im Detail
Insgesamt nahmen an der aktuellen IV-NÖ-Konjunkturumfrage 44 Industriebetriebe mit insgesamt 26.071 Beschäftigten teil. 49 Prozent beurteilen die aktuelle Geschäftslage als schlecht, lediglich 22 Prozent als gut. Der Saldo liegt damit bei -26 Punkten.
Auch für die kommenden sechs Monate überwiegt die Skepsis: 37 Prozent erwarten eine weitere Verschlechterung, nur fünf Prozent rechnen mit einer günstigeren Geschäftslage. 58 Prozent gehen davon aus, dass sich die Situation nicht wesentlich verändert. Der Saldo des Ausblicks liegt bei -31 Punkten.
Besonders kritisch bleibt die Ertragssituation. Mit einem Saldo von -44 Punkten erreicht sie den schlechtesten Wert aller abgefragten Indikatoren. Auch für die kommenden sechs Monate zeichnet sich keine breite Erholung ab: 82 Prozent erwarten eine unveränderte Ertragssituation. 11 Prozent rechnen mit einer Verbesserung, 7 Prozent mit einer Verschlechterung. Der Saldo liegt bei 4 Punkten.
Auch die Produktionstätigkeit bleibt schwach. Die meisten Betriebe rechnen für die kommenden drei Monate mit einer gleichbleibenden Produktion, deutlich mehr jedoch mit einem Rückgang als mit einem Anstieg. Der Saldo der Produktionstätigkeit liegt bei -29 Punkten, jener der Produktionskapazitäten bei -34 Punkten.
Dazu passt die schwache Nachfrage. Der Auftragsbestand liegt mit einem Saldo von -27 Punkten klar im negativen Bereich. Auch bei den Auslandsaufträgen überwiegen die negativen Einschätzungen; der Saldo beträgt -26 Punkte.
Besonders deutlich zeigt sich die Konsequenz der Entwicklung auch am Arbeitsmarkt. 42 Prozent rechnen mit einem Beschäftigungsabbau, lediglich 8 Prozent planen zusätzliche Mitarbeiter einzustellen.
„Niemand plant leichtfertig, gut ausgebildete Fachkräfte abzubauen. Wenn Betriebe dennoch mit weniger Personal rechnen, zeigt das, wie ernst die wirtschaftliche Lage ist. Das ist nicht nur für die Unternehmen problematisch, sondern langfristig auch für den Standort Niederösterreich", betont Roither.
Kaum Bewegung ist bei den Verkaufspreisen zu erwarten. Drei Viertel rechnen mit unveränderten Preisen. Der Saldo liegt bei -3 Punkten und zeigt, dass viele Betriebe ihre gestiegenen Kosten nur mehr eingeschränkt an den Markt weitergeben können.
IV-NÖ: Wettbewerbsfähigkeit dringend in den Mittelpunkt rücken
Aus Sicht der IV-NÖ zeigen die Ergebnisse, dass die Belastungen je nach Branche unterschiedlich wirken. Besonders angespannt ist die Lage dort, wo eine schwache Nachfrage auf hohe Standortkosten trifft. Für energieintensive Unternehmen kommen die infolge des Iran-Kriegs gestiegenen und stark schwankenden Energiepreise hinzu. Die IV-NÖ fordert daher, die wirksamsten Maßnahmen der Industriestrategie rasch umzusetzen und die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Standorts zur obersten wirtschaftspolitischen Priorität zu machen.
„Bei den Lohnnebenkosten und den Energiekosten sind erste Schritte gesetzt. Es darf aber jetzt nicht bei Einzelmaßnahmen bleiben. Deutschland zeigt derzeit, wie umfassend Reformen des Rentensystems, des Arbeitsmarkts und der Verwaltung politisch angestoßen werden können. Auch Österreich braucht eine umfassende Reformagenda, die Bürokratie tatsächlich reduziert, den Sozialstaat langfristig finanzierbar hält und wieder bessere Bedingungen für Investitionen schafft. Von diesen Maßnahmen profitieren alle Unternehmen, manche Branchen aber mehr als andere. Für energie- und kostenintensive Betriebe kann ihre Umsetzung zunehmend darüber entscheiden, ob weiterhin in Österreich investiert und produziert wird“, betont Roither.

