Konjunkturumfrage: Trotz einzelner positiver Signale ist eine dauerhafte Erholung nicht gesichert. Die IV-NÖ fordert Entlastungen bei Arbeits- und Energiekosten, damit Unternehmen wieder mehr Spielraum für Investitionen gewinnen.
NÖ Industrie: Geschäftslage hellt sich auf, aber Erträge bleiben unter Druck

Nach den schwachen Ergebnissen im ersten Halbjahr zeigt die aktuelle Konjunkturumfrage der Industriellenvereinigung Niederösterreich (IV-NÖ) einige positive Entwicklungen. Das IV-NÖ-Konjunkturbarometer steigt im dritten Quartal 2026 auf +0,2 Punkte, nach -28,8 Punkten im Vorquartal. „Die wirtschaftlichen Herausforderungen sind nicht überwunden: Zwar werden Geschäftslage und Auftragsbestände günstiger beurteilt, die Erträge bleiben jedoch vielfach unbefriedigend. Für eine dauerhafte Erholung brauchen die Betriebe wieder ausreichend Erträge. Dafür müssen die Standortkosten endlich sinken“, fasst IV-NÖ-Geschäftsführerin Michaela Roither die Ergebnisse der Umfrage zusammen.
Die Branchen entwickeln sich unterschiedlich: Die Elektro- und Elektronikindustriesowie die Holzindustrie tragen wesentlich zur günstigen Bewertung der aktuellen Geschäftslage bei. Allerdings stehen dem in der Elektro- und Elektronikindustrie rückläufige Produktions- und Beschäftigungspläne gegenüber.
Die metalltechnische Industrie meldet weiterhin eine schwierige Geschäfts- und Ertragslage. Bei den befragten Unternehmen werden dieses Mal aber häufiger Verbesserungen als Verschlechterungen erwartet. Überwiegend rechnen sie mit unveränderten Verhältnissen.
Angespannt bleibt die Lage bei den befragten Unternehmen in der Papierindustrie sowie der Steine- und keramischen Industrie. Zum negativen Geschäftsausblick trägt diesmal die Rückmeldung aus der Bauindustrie wesentlich bei.
Die Ergebnisse der Konjunkturumfrage im Detail
An der aktuellen IV-NÖ-Konjunkturumfrage nahmen 35 Industriebetriebe mit insgesamt 14.568 Beschäftigten teil. Die Prozentangaben sind nach Beschäftigten gewichtet.
34 Prozent beurteilen die aktuelle Geschäftslage als gut, 50 Prozent als befriedigend und 16 Prozent als schlecht. Bei der Ertragssituation überwiegen dagegen die negativen Bewertungen: 43 Prozent bezeichnen sie als schlecht, 34 Prozent als gut und 23 Prozent als durchschnittlich.
Bei den Verkaufspreisen erwarten 37 Prozent für die kommenden drei Monate einen Anstieg, 31 Prozent unveränderte Preise und 32 Prozent einen Rückgang.
„Eine bessere Auftragslage allein stellt die Wettbewerbsfähigkeit noch nicht wieder her. Entscheidend ist auch, was nach Abzug der Kosten übrig bleibt. Im internationalen Wettbewerb können die Betriebe hohe Kosten nur begrenzt weitergeben. Fast zwei Drittel der befragten Unternehmen erwarten zudem gleichbleibende oder sinkende Verkaufspreise. Umso wichtiger ist es, die Betriebe auf der Kostenseite zu entlasten“, erklärt Roither. Für das nächste halbe Jahr erwarten 75 Prozent eine unveränderte Ertragssituation, 16 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung, nur neun Prozent mit einer Verbesserung.
Auch für die Geschäftslage im nächsten halben Jahr bleibt die Skepsis größer als die Zuversicht. 30 Prozent erwarten eine Verschlechterung, zwölf Prozent eine Verbesserung. 58 Prozent gehen von unveränderten Verhältnissen aus.
Die Auftragsbestände bewerten 24 Prozent als gut, 62 Prozent als saisonüblich und 14 Prozent als zu niedrig. Unter den Unternehmen mit Exportgeschäft melden 37 Prozent gute und 15 Prozent zu niedrige Auslandsauftragsbestände.
Bei der Produktionstätigkeit überwiegt für die kommenden drei Monate die Erwartung unveränderter Verhältnisse: 76 Prozent rechnen mit keiner Veränderung, 15 Prozent mit einem Anstieg, neun Prozent mit einem Rückgang. Auch die Produktionskapazität dürfte überwiegend gleich bleiben: 83 Prozent planen keine Veränderung.
Beim Beschäftigtenstand rechnen 29 Prozent mit einem Anstieg, 49 Prozent mit keiner Veränderung und 22 Prozent mit einem Rückgang.
IV-NÖ: Standortkosten senken, Investitionen erleichtern
Die Politik ist gefordert, bei den Standortkosten rasch zu handeln. Österreich ist ein Hochkostenstandort – bei Arbeits- und Energiekosten genauso wie bei Steuern und Abgaben. Neue Steuern und Steuererhöhungen lehnt die IV-NÖ entschieden ab. Die für 2028 angekündigte Senkung der Lohnnebenkosten muss verlässlich umgesetzt und durch weitere Entlastungsschritte und massiven Bürokratieabbau ergänzt werden. Steuerliche Anreize wie eine Superabschreibung können zusätzliche Investitionen in moderne Produktionstechnologien, Automatisierung und Robotik ermöglichen.
Planbare Energiekosten sind ebenfalls entscheidend. Für den ab 2027 vorgesehenen Industriestrompreis und die verlängerte sowie ausgeweitete Strompreiskompensation SAG+ müssen rechtzeitig klare, praktikable Förderbedingungen und eine einfache Abwicklung sichergestellt werden.
Nach Abschluss der Begutachtung fordert die IV-NÖ eine Überarbeitung des Klimagesetz-Entwurfes. In der jetzigen Form würde es die Kostennachteile gegenüber europäischen Mitbewerbern weiter verschärfen. „Österreich soll bereits ab 2040 klimaneutral sein, zehn Jahre vor dem EU-Ziel. Dieser Alleingang würde den Investitions- und Finanzierungsdruck erhöhen und die ohnehin angespannte Ertragslage vieler Unternehmen zusätzlich belasten. Wir fordern Klimaneutralität 2050 im europäischen Gleichklang. Wandert Produktion in Länder mit niedrigeren Standards ab, ist weder dem Klima noch dem Standort geholfen. Österreich verliert zugleich Arbeitsplätze, Wertschöpfung und Steuereinnahmen“, warnt Roither.

