Michael Reiner, CEO und Geschäftsführer, und Alexander Blümel, CFO und Geschäftsführer des neuen IV-NÖ-Mitglieds ESSECCA, sprechen über das wachsende Sicherheitsbedürfnis, die Digitalisierung von Gebäuden, den Standort Niederösterreich und darüber, wann notwendige Regeln für mittelständische Unternehmen zur Belastung werden.
Wie läuft das Geschäft in einem wirtschaftlich schwierigen Umfeld?
Michael Reiner: Wir bewegen uns in einem Umfeld, in dem Investitionen teilweise verschoben und Budgets sehr genau geprüft werden. Trotzdem sind wir wirtschaftlich gut unterwegs. Wir wachsen gezielt jedes Jahr um acht bis zehn Prozent und werden heuer bei rund 32,5 Millionen Euro Umsatz landen. Bis 2030 wollen wir bei 40 Millionen Euro stehen. Dabei helfen uns auch langjährige Rahmenverträge.
Alexander Blümel: Wir sind auch in einer Branche tätig, der die aktuelle Situation in die Hände spielt. Das Sicherheitsbedürfnis ist angesichts der geopolitischen Lage groß und wir vermitteln Sicherheit.
Wo sehen Sie die größten Wachstumschancen?
Reiner: Ganz klar in der Digitalisierung. Der Markt geht weg von einzelnen Produkten und autarken Systemen hin zu integrierten Lösungen. Zutrittskontrolle kommuniziert heute etwa mit ERP- oder HR-Systemen. Beginnt jemand neu im Unternehmen, können Zutrittsrechte anhand seiner Rolle automatisch vergeben werden; wechselt die Person die Abteilung, werden alte Rechte entzogen und neue vergeben. Wir analysieren mit den Kunden daher nicht nur Technik, sondern ihre Prozesse. Wir sind nicht nur Türöffner, sondern viel mehr.
Auch das Smartphone wird als Zutrittsmedium wichtiger, ebenso Biometrie und die Vernetzung mit der Gebäudetechnik. Dazu kommen regulatorische Themen wie NIS2. Viele Unternehmen werden sich damit in den nächsten Jahren intensiver beschäftigen müssen.
ESSECCA ist vor allem in Österreich tätig. Welche Rolle spielt Niederösterreich als Standort?
Blümel: Wir sitzen im Industrieviertel südlich von Wien, infrastrukturell geht es kaum besser. Wir haben ein großes Einzugsgebiet, eine hohe Dichte an Unternehmen und Kunden und grundsätzlich gute Voraussetzungen. Niederösterreich erlebe ich als unternehmerfreundlich.
Reiner: Dazu kommen unsere langjährigen, engagierten Mitarbeiter. Viele sind seit fünf, zehn, 15 oder 20 Jahren im Unternehmen. Das ist ein wesentlicher Erfolgsgarant. Gleichzeitig spüren wir den Fachkräftemangel, besonders bei Elektrikern und Elektronikern.
Wo liegen die Schwierigkeiten?
Blümel: Eher in der Verwaltung. Bei einem Genehmigungsverfahren für einen Gebäudeteil zum Beispiel haben wir alles ordnungsgemäß gemacht, und dann führen Kleinigkeiten dazu, dass man umbauen, mehrfach Nachweise bringen oder Details wegen weniger Millimeter verändern muss. Das ist mühsam und aufwendig.
Wie stark belastet Bürokratie Ihr Unternehmen?
Blümel: Sehr stark. Ich bin teilweise einen halben Tag damit beschäftigt, Formulare, Fragebögen oder Berichte auszufüllen. Dort ist etwas abzugeben, dort ein Bericht zu machen. Für ein mittelständisches Unternehmen ist das eine echte Belastung, weil wir dafür Arbeitszeit von qualifizierten Leuten verwenden müssen.
Reiner: Dazu kommen Nachweise über Lieferungen, ESG-Berichte oder immer umfangreichere Verträge. Man bekommt einen Auftrag über 5.000 Euro und hat einen 20-seitigen Vertrag dabei. Der administrative Aufwand ist gewaltig.
Ein weiteres Thema ist der Fachkräftemangel. Wo würden Sie ansetzen?
Blümel: Wir haben die Lehre gesellschaftlich über viele Jahre abgewertet. Jetzt fehlen uns die ausgebildeten Leute. Der Fokus muss wieder stärker darauf liegen, Lehrlinge auszubilden und Fachkräfte selbst heranzuziehen. Wir haben uns deshalb entschieden, erstmals einen Lehrling auszubilden. Gleichzeitig haben wir erlebt, wie erheblich schon die Vorbereitung dafür ist und wie viele kleine Hindernisse es gibt.
Reiner: Auch bei den Arbeitszeiten brauchen Unternehmen mehr Flexibilität. Wir überlegen etwa eine Vier-Tage-Woche für Montage- und Inbetriebsetzungspersonal, stoßen aber schnell an starre Grenzen. Im Vertrieb gibt es Abendtermine oder Termine am Wochenende. Politik müsste sich viel intensiver damit auseinandersetzen, wie Unternehmen tatsächlich arbeiten.
Was braucht der Standort Österreich insgesamt?
Blümel: Der Fokus muss wieder stärker auf die Wettbewerbsfähigkeit gerichtet werden, zwar im Vergleich nicht nur mit Europa, sondern mit Wettbewerbern darüber hinaus. Wir haben in Krisen gesehen, wie abhängig wir bei kritischen Komponenten von Lieferwegen aus Asien sind. Diese Erkenntnis darf nicht immer wieder verschwinden, sobald der unmittelbare Druck nachlässt. Das heißt, dass wir wieder Produzenten zurückholen, dafür aber Unternehmer- und Investitionsfreundliche Rahmenbedingungen bieten müssen. Wir wollen aus Europa heraus die globalen Regeln in wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Sicht mitbestimmen. Das kann aber nur funktionieren, wenn wir auch einen entsprechenden wirtschaftlichen Machtfaktor darstellen um ernst genommen zu werden.
Reiner: Dazu gehören wettbewerbsfähige Energiekosten, schnellere Genehmigungsverfahren und weniger Bürokratie. Die Politik müsste sich viel intensiver mit den Unternehmen auseinandersetzen und fragen: Was braucht ihr? Es geht darum, besser zu berücksichtigen, wie Unternehmen tatsächlich arbeiten und welche Maßnahmen ihren wirtschaftlichen Erfolg sichern.
ZUM UNTERNEHMEN:
ESSECCA zählt zu den führenden Unternehmen am österreichischen Sicherheitsmarkt und entwickelt ganzheitliche Lösungen für moderne Gebäude- und Unternehmenssicherheit. Das Leistungsspektrum umfasst elektronische Zutrittskontrolle, Videoüberwachung, Alarmanlagen, Intercom-Systeme sowie intelligente Softwarelösungen zur zentralen Steuerung und Vernetzung. Als Herstellervertreter von SALTO Systems in Österreich verbindet ESSECCA innovative Sicherheitstechnologie mit Beratung, Planung, Umsetzung, Service und Wartung. Kunden aus Industrie, öffentlichem Bereich, Gesundheitswesen, Bildung, Hotellerie und Wohnbau profitieren von individuellen, skalierbaren und zukunftssicheren Lösungen.


