Die Zukunftsfragen des Industriestandorts standen im Fokus der gemeinsamen Veranstaltung von IV-NÖ und IV-OÖ am 14. Jänner, an der auch die Landeshauptleute Johanna Mikl-Leitner und Thomas Stelzer teilnahmen.
„Powerhouse Austria“: Industrie-Summit Niederösterreich-Oberösterreich

Unter dem Titel „Powerhouse Austria – große Ziele, große Schritte für den Standort“ folgten zahlreiche hochrangige Vertreter der Industrie der Einladung der Industriellenvereinigungen Niederösterreich (IV-NÖ) und Oberösterreich (IV-OÖ) zum Gipfeltreffen in den Räumlichkeiten der Verbund-Lehrwerkstätte beim Kraftwerk Ybbs-Persenbeug. Im Mittelpunkt standen Reformen, Wettbewerbsfähigkeit und die langfristige Ausrichtung des Produktions- und Innovationsstandorts Österreich. Nieder- und Oberösterreich bilden gemeinsam das industrielle Rückgrat des Landes: 43 Prozent der gesamten industriellen Wertschöpfung, 120 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung jährlich und über 800.000 Arbeitsplätze hängen direkt oder indirekt an den beiden Regionen.
Keynote und Podiumsgespräch zur Standortpolitik
Im Rahmen der Veranstaltung hielt Franz Schellhorn, Direktor des Thinktanks Agenda Austria, eine Keynote, mit der er einen starken inhaltlichen Akzent setzte. Mit klaren Analysen und pointierten Beispielen zeigte er auf, wo Österreichs Standortpolitik derzeit an Grenzen stößt und warum mutige Reformen dringend notwendig sind, um Wettbewerbsfähigkeit und Investitionsbereitschaft wieder zu stärken. (Mehr davon siehe IV-Positionen 01/2025, Interview auf S. 12.)
Im anschließenden Podiumsgespräch diskutierten Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und Landeshauptmann Thomas Stelzer gemeinsam mit den Präsidenten der Industriellenvereinigungen, Kari Ochsner (IV-NÖ) und Thomas Bründl (IV-OÖ) sowie IV-Präsident Georg Knill und Franz Schellhorn über die notwendigen Rahmenbedingungen für Wettbewerbsfähigkeit, Investitionen und Wertschöpfung. Auch das Publikum beteiligte sich rege an der Diskussion. Viele kritisierten die Überregulierung und den Mangel an Pragmatismus bei Verordnungen.
Gemeinsame Forderung nach Reformen
IV-NÖ-Präsident Kari Ochsner verwies in seinem Redebeitrag unter anderem auf den dringend notwendigen Reformbedarf in Österreich: „Die Unternehmen arbeiten jeden Tag an sich, investieren in Effizienz und Innovation. Damit diese Anstrengungen erfolgreich sind, braucht es aber auch von öffentlicher Seite verlässliche Rahmenbedingungen und Impulse, damit wieder eine wirtschaftliche Dynamik entsteht.“ Ochsner sprach sich für gezielte, realistische Reformschritte aus. Schon kleine Anpassungen – etwa bei Arbeitsleistung, Erwerbsdauer oder ein moderater Selbstbehalt bei Gesundheitsleistungen von bis zu 50 Euro mit klaren Ausnahmen für sozial Schwächere – könnten in Summe Milliarden an zusätzlicher Wirtschaftsleistung freisetzen und damit neuen budgetären Spielraum für Investitionen, Entlastungen und Zukunftsvorhaben schaffen.
Oberösterreichs IV-Präsident Thomas Bründl: „Das industrielle Lagebild bleibt von strukturellen Problemen dominiert, die allesamt ungelöst sind und sich in diesem Jahr sogar weiter verschärfen könnten.“ Auch die beiden Landeshauptleute bekannten sich klar zum Produktionsstandort. Johanna Mikl-Leitner hielt fest: „In Niederösterreich und Oberösterreich schlägt das industrielle Herz der Republik. Jedes dritte Beschäftigungsverhältnis in Österreich hängt von der Stärke der Industrie in unseren beiden Bundesländern ab.“ Notwendig seien wettbewerbsfähige Energiepreise, eine Entlastung des Faktors Arbeit und ein entschlossener Bürokratieabbau.
Thomas Stelzer ergänzte: „Wir kämpfen für den Produktionsstandort, denn ohne starke Industrie gibt es keine sicheren Arbeitsplätze und keinen Wohlstand. Mit 43 Prozent der industriellen Wertschöpfung tragen unsere beiden Länder besondere Verantwortung für ganz Österreich.“ IV-Präsident Georg Knill appellierte an die Politik: „Die Erwartungshaltung ist, dass diese Bundesregierung neben vielen operativen Themen wie dem Industriestrompreis und der Strompreiskompensation auch hier ganz gezielt Rahmenbedingungen setzt, die uns als Investoren wieder den Glauben an diesen Standort zurückgeben.“
Industriemanifest unterzeichnet
Im Anschluss an den Gipfel wurde von den Landeshauptleuten und den Präsidenten ein gemeinsames Industriemanifest unterzeichnet. Dieses bildet die strategische Klammer für die künftige industriepolitische Zusammenarbeit beider Länder und fasst zentrale Handlungsfelder zusammen. Ziel ist es, Investitionen zu ermöglichen, Wertschöpfung im Land zu halten und Planungssicherheit für Unternehmen zu schaffen.

