Am Sonntagnachmittag machte sich eine rund 60-köpfige niederösterreichische Wirtschaftsdelegation rund um Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und Industriellenvereinigung NÖ Präsident Kari Ochsner auf den Weg in die Ukraine. Bei der Anreise nach Kyjiw betonte die Landeshauptfrau: „Niederösterreich steht der Ukraine als verlässlicher Partner zur Seite. Und trotz des anhaltenden Krieges wünschen sich die Ukrainer auch wirtschaftliche Perspektiven. Vor allem für die jungen Menschen. Mit unserer Wirtschaftsmission leisten wir dazu einen wichtigen Beitrag. Wir helfen damit aber auch unseren niederösterreichischen Unternehmen hier ihr Know-how anzubieten und damit auch den Wirtschaftsstandort Niederösterreich und die heimischen Arbeitsplätze zu stärken und sichern.“
IV-NÖ-Präsident Ochsner unterstreicht: „Eine Wirtschaftsmission ist immer auch eine Friedensmission. Krieg hinterlässt Zerstörung. Wirtschaft und Industrie schaffen Werte. Wenn die Ukraine für unsere europäischen Werte kämpft, ist es für uns selbstverständlich, beim Wiederaufbau Verantwortung zu übernehmen. Wir haben diese Reise angestoßen und organisiert, um Chancen für beiden Seiten zu eröffnen – für Zusammenarbeit, für wirtschaftliche Entwicklung und für Stabilität. Die Ukraine braucht starke Partner – und unsere Industriebetriebe sind entschlossen und bereit, einen wesentlichen Beitrag zu leisten.“
ORF-Korrespondent Christian Wehrschütz gab der Delegation im Zuge der Anreise einen Einblick über die aktuelle Lage im Ukraine-Krieg und ging unter anderem auf den Wiederaufbau ein. Erstens sei noch völlig offen, wie mögliche Aufträge vergeben werden. Man stehe hier am Anfang. Zweitens beschäftige sich die Ukraine bereits sehr intensiv mit der Frage, wie der Wiederaufbau dazu genützt werden könne, die arbeitsfähige Bevölkerung, vor allem nach dem Krieg, im Land halten zu können. Nicht nur das: „Die Ukraine überlegt sich heute bereits, wie sie Arbeitskräfte importieren kann, damit sie Kräfte für den Wiederaufbau haben wird“, sagte er. Die wirtschaftliche Perspektive sei laut Wehrschütz für die ukrainische Bevölkerung von großer Bedeutung, da sie nicht nur für Anreize am Arbeitsmarkt sorge, sondern auch Wertschöpfung generiere.
Perspektivisch sagte Wehrschütz, dass sich die Ukraine „möglicherweise zwischen Hammer und Amboss befindet“, denn der amerikanische Vorschlag zur Lösung des Rohstoffabkommens sei ein „Knebelungsvertrag für die Ukraine. Wenn es hier nicht irgendeinen Versuch gibt, auf EU-Ebene gegenzusteuern, bleiben für den Wiederaufbau europäische ‚Brösel‘ übrig, den Rest wird die USA abholen.“
Neben Betriebsbesuchen sind bei der mehrtägigen Wirtschaftsmission auch hochrangige politische Gespräche vorgesehen: unter anderem mit dem Bürgermeister von Kyjiw, Vitali Klitschko, Ministerpräsident Denys Schmyhal, Wirtschaftsministerin Julija Swyrydenko, Infrastrukturminister Dmytro Kuleba und Energieminister German Galushchenko. Die Organisation der Reise fand in enger Zusammenarbeit mit der AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA und dem AußenwirtschaftsCenter Kyjiw statt.